Lorbeer grünt und Cypresse, die Myrthe blüht, die Fontaine
Plätschert und rauscht, aus dem Haine glänzet der stolze Palast.
Alles that die Natur, ein Paradies zu erschaffen,
Schade, daß Kunst und Geschmack nicht sie zu ehren verstand.
Frascati
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Frascati“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine kurze, aber prägnante Beschreibung eines italienischen Ortes, kombiniert mit einer subtilen Kritik an der menschlichen Gestaltung. Es beginnt mit der Aufzählung verschiedener Elemente der Natur: Lorbeer, Zypressen, Myrten, eine sprudelnde Fontaine und ein Hain, aus dem ein prunkvoller Palast hervorleuchtet. Diese Aufzählung dient dazu, ein idyllisches Bild zu erzeugen, das die Schönheit und Fülle der natürlichen Umgebung hervorhebt.
Der zweite Teil des Gedichts nimmt eine kritische Wendung. Waiblinger stellt fest, dass die Natur all ihr Bestes gegeben hat, um ein Paradies zu schaffen. Doch dann kommt die bittere Feststellung: „Schade, daß Kunst und Geschmack nicht sie zu ehren verstand.“ Hier wird die menschliche Tätigkeit in den Fokus gerückt, insbesondere die Kunst und der Geschmack, die für die Gestaltung dieses Paradieses verantwortlich sind. Der Dichter deutet an, dass die menschlichen Bemühungen, die Natur zu ergänzen oder zu übertreffen, gescheitert sind. Die Verwendung von „Schade“ drückt Bedauern aus, dass die menschliche Kunst nicht in der Lage war, die natürliche Schönheit in angemessener Weise zu würdigen oder zu verstärken.
Waiblingers Gedicht kann als eine Reflexion über das Verhältnis von Natur und Kunst interpretiert werden. Es stellt die Frage, ob die menschliche Gestaltung, die durch Kunst und Geschmack repräsentiert wird, in der Lage ist, die vollkommene Schönheit der Natur zu erfassen oder gar zu übertreffen. Der Dichter scheint die Ambitionen der menschlichen Kunst zu hinterfragen und legt nahe, dass sie letztlich scheitern kann, wenn sie die natürliche Harmonie nicht respektiert. Der Palast, der „aus dem Haine glänzet“, könnte hier als ein Symbol für menschlichen Ehrgeiz und architektonische Pracht dienen, die jedoch im Kontrast zur natürlichen Umgebung stehen und somit die Harmonie stören.
Insgesamt ist „Frascati“ ein Gedicht, das durch seine Kürze und Klarheit besticht. Es fängt die Schönheit einer italienischen Landschaft ein und verbindet diese mit einer subtilen Kritik an der menschlichen Einmischung in die Natur. Waiblinger lädt den Leser dazu ein, über die Rolle von Kunst und Geschmack in Bezug auf die natürliche Schönheit nachzudenken und zu erkennen, dass die wahre Pracht in der Natur selbst liegt. Das Gedicht endet mit einer melancholischen Feststellung, die die Kluft zwischen dem Ideal der Natur und der Unvollkommenheit der menschlichen Gestaltung hervorhebt.
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