Fragen

Anastasius Grün

1876

Wenn die Stern’ am Himmel blinken, Wenn ihr Reigen nächtlich webt, Künde treu mir, wo der erste, Wo der Sterne letzter schwebt?

Wenn im regen Wogentanze Welle mit der Welle tauscht, O so zeig’ mir, wo die erste, Wo der Wellen letzte rauscht?

Und vermagst du’s, so gib Kunde, Löse mir das Schwerste frei: Wann im Herzen wohl die Stunde Erster, – letzter Liebe sei?

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Interpretation

Das Gedicht "Fragen" von Anastasius Grün ist ein nachdenkliches Werk, das sich mit der Unendlichkeit und Vergänglichkeit des Seins auseinandersetzt. Es beginnt mit der Betrachtung der Sterne am Himmel, deren unendliche Zahl und ewiger Tanz um den Himmel. Der Sprecher fragt nach dem ersten und letzten Stern, was auf die Unmöglichkeit einer solchen Bestimmung hindeutet. Dies wird durch die Analogie der Wellen im Ozean fortgesetzt, die sich unaufhörlich bewegen und ebenfalls keine klare Anfang oder Ende haben. Die Wellen, die sich im "regen Wogentanze" vermischen, symbolisieren die Unendlichkeit und den ewigen Fluss des Lebens. Im dritten Versabschnitt wendet sich der Sprecher direkt an den Leser oder an eine höhere Macht, um eine Antwort auf die gestellten Fragen zu erhalten. Er fordert eine Lösung für das "Schwerste", was auf die Komplexität und Tiefe der menschlichen Erfahrung hinweist. Die letzte Frage, die das Gedicht stellt, bezieht sich auf die erste und letzte Stunde der Liebe im Herzen. Diese Frage ist besonders tiefgründig, da sie die flüchtige und doch ewige Natur der Liebe thematisiert. Liebe, wie die Sterne und Wellen, scheint grenzenlos und unergründlich. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe philosophische Botschaft über die Unendlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens. Es fordert den Leser auf, über die Natur der Existenz und die Bedeutung der Liebe nachzudenken. Die unbeantworteten Fragen lassen den Leser mit einem Gefühl der Bewunderung und des Staunens über die Geheimnisse des Universums zurück.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Wenn die Stern’ am Himmel blinken, Wenn ihr Reigen nächtlich webt, Künde treu mir, wo der erste, Wo der Sterne letzter schwebt? Wenn im regen Wogentanze Welle mit der Welle tauscht, O so zeig’ mir, wo die erste, Wo der Wellen letzte rauscht?
Metapher
Wenn ihr Reigen nächtlich webt
Personifikation
Wenn die Stern’ am Himmel blinken
Rhetorische Frage
Wenn die Stern’ am Himmel blinken, Wenn ihr Reigen nächtlich webt, Künde treu mir, wo der erste, Wo der Sterne letzter schwebt? Wenn im regen Wogentanze Welle mit der Welle tauscht, O so zeig’ mir, wo die erste, Wo der Wellen letzte rauscht? Und vermagst du’s, so gib Kunde, Löse mir das Schwerste frei: Wann im Herzen wohl die Stunde Erster, – letzter Liebe sei?