Frage
1921Nun Du! Du neuer Blick und Atem gegenüber, – Dir zwing ich meine Lippen, weil ich muß Und sage: Sieh mich an! Gesicht laß ruhen in Gesicht, Es geht nicht anders mehr.
Wo ist denn Schuld, Daß Stirne nun an Stirne stößt, Das Herz, das sonst in Einsamkeit hinfror, In taubem Kummer sich verlor, Im Drang die schwere Zunge löst, Ergriffen stürzt: Du Weib!
Schließ auf, schließ auf Den engen Ring, der meine Brust umpreßt! Der mich nicht atmen läßt, Der mich zum qualgepflügten Boden niederwarf, So oft ich meine Stirn erhob – Du hast die Macht.
Du brauchst nur mit deinem Finger An mein Herz zu rühren, Damit es wieder sehend würde: Und alle Türen, Horizonte, alle Himmel Sprängen offen mir entgegen: Ich schritte mächtig aus auf brausenden Wegen, Bestürmt und durchschwellt, Zu neuem Lebensland! Zu deinem Herzen in der Welt!
Verbirgst du deine Hand?
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Interpretation
Das Gedicht "Frage" von Gerrit Engelke beschreibt die intensive Sehnsucht eines Sprechers nach einer Frau, die er als "Du" anspricht. Der Sprecher fühlt sich von dieser Frau angezogen und sehnt sich danach, ihr Gesicht zu sehen und ihre Gegenwart zu spüren. Er beschreibt, wie sein Herz in Einsamkeit gefror und er sich in taubem Kummer verlor, bis er schließlich den Mut aufbringt, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Der Sprecher bittet die Frau, den engen Ring zu öffnen, der seine Brust umgibt und ihn daran hindert, frei zu atmen. Er beschreibt, wie er sich immer wieder gezwungen fühlt, seine Stirn zu erheben, nur um wieder zu Boden gedrückt zu werden. Doch er weiß, dass die Frau die Macht hat, seine Gefühle zu wecken und ihm neue Kraft zu geben. Wenn sie nur mit ihrem Finger sein Herz berühren würde, könnte er wieder sehen und alle Türen, Horizonte und Himmel würden sich ihm öffnen. Das Gedicht endet mit einer Frage des Sprechers an die Frau: "Verbirgst du deine Hand?" Diese Frage deutet darauf hin, dass der Sprecher hofft, dass die Frau seine Gefühle erwidert und ihm die Hand reicht. Er sehnt sich danach, mit ihr zusammen zu sein und ein neues Lebensland zu entdecken. Das Gedicht vermittelt eine starke emotionale Intensität und drückt die tiefe Sehnsucht des Sprechers nach Liebe und Verbundenheit aus.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Nun Du! Du neuer Blick und Atem gegenüber, – Dir zwing ich meine Lippen, weil ich muß
- Imperativ
- Sieh mich an!
- Metapher
- Zu neuem Lebensland! Zu deinem Herzen in der Welt!
- Personifikation
- Im Drang die schwere Zunge löst
- Rhetorische Frage
- Verbirgst du deine Hand?