Fra Giovanni da Fiesole
unknownDir ist die Kunst ein Gebet, worin du die liebende Seele Immer nach Gottes Thron, immer zum Himmel erhebst. Als ein getreuer Knecht dem Herrn und dem Reiche des Sohnes Weihtest du Pinsel und Herz, weihtest du Leben und Tod.
Heiliges maltest du nur, denn wie du Gott dich gewidmet, Mußt′ auch die Kunst ihm sofort heilige Priesterin sein. Nicht die Muse begeisterte dich; es stiegen die Engel Weihend und segnend zu dir, während du maltest, herab.
Fromme glückliche Demuth und seelenvolles Vertrauen, Glauben und Liebe hat durch Leben und Kunst dich geführt. Könnte der Genius nicht in kühnerm Schwung sich dem Himmel Stolzer nahen, so daß eins mit dem Ein′gen er ist, Wärst du der christlichste Maler, und so erhebet die Demuth Nicht zum Begeistertsten, doch Frömmsten, Gemüthlichsten dich.
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Interpretation
Das Gedicht "Fra Giovanni da Fiesole" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist ein Loblied auf den Maler Fra Giovanni da Fiesole, auch bekannt als Fra Angelico. Waiblinger preist den Künstler als einen frommen und demütigen Menschen, der seine Kunst als Gebet und Dienst an Gott versteht. In den ersten beiden Strophen beschreibt Waiblinger die tiefe religiöse Hingabe des Malers. Für Fra Giovanni ist die Kunst ein Mittel, um seine Seele zu Gott zu erheben. Er widmet sein Leben, seinen Pinsel und sein Herz dem Dienst an Gott und seinem Sohn. Waiblinger betont, dass Fra Giovanni nur heilige Motive malt, da seine Kunst als Priesterin Gottes dienen soll. Engel steigen zu ihm herab, während er malt, und segnen und weihen seine Werke. In der dritten Strophe würdigt Waiblinger die Demut und das Vertrauen des Malers. Fra Giovanni wird von Glauben und Liebe geleitet, sowohl im Leben als auch in seiner Kunst. Waiblinger stellt die Frage, ob Fra Giovanni der christlichste Maler sein könnte, wenn es nicht die kühnen Genies gäbe, die sich stolz dem Himmel nähern. Er schließt mit der Aussage, dass die Demut des Malers ihn nicht zum begeistertesten, aber zum frommsten und gemütlichsten Künstler macht. Insgesamt zeichnet das Gedicht das Bild eines tiefgläubigen und demütigen Künstlers, der seine Kunst als Ausdruck seines Glaubens und seiner Liebe zu Gott versteht. Waiblinger preist Fra Giovanni als Vorbild für die Verbindung von Kunst und Religion und betont die Bedeutung der Demut und des Vertrauens in der künstlerischen Schöpfung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Fromme glückliche Demuth und seelenvolles Vertrauen
- Hyperbel
- Könnte der Genius nicht in kühnerm Schwung sich dem Himmel Stolzer nahen, so daß eins mit dem Ein′gen er ist
- Metapher
- Dir ist die Kunst ein Gebet
- Personifikation
- Nicht die Muse begeisterte dich; es stiegen die Engel Weihend und segnend zu dir, während du maltest, herab
- Symbolik
- Weißtest du Pinsel und Herz, weihtest du Leben und Tod