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Fra Giovanni da Fiesole

Von

1.

Dir ist die Kunst ein Gebet, worin du die liebende Seele
Immer nach Gottes Thron, immer zum Himmel erhebst.
Als ein getreuer Knecht dem Herrn und dem Reiche des Sohnes
Weihtest du Pinsel und Herz, weihtest du Leben und Tod.

2.

Heiliges maltest du nur, denn wie du Gott dich gewidmet,
Mußt′ auch die Kunst ihm sofort heilige Priesterin sein.
Nicht die Muse begeisterte dich; es stiegen die Engel
Weihend und segnend zu dir, während du maltest, herab.

3.

Fromme glückliche Demuth und seelenvolles Vertrauen,
Glauben und Liebe hat durch Leben und Kunst dich geführt.
Könnte der Genius nicht in kühnerm Schwung sich dem Himmel
Stolzer nahen, so daß eins mit dem Ein′gen er ist,
Wärst du der christlichste Maler, und so erhebet die Demuth
Nicht zum Begeistertsten, doch Frömmsten, Gemüthlichsten dich.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Fra Giovanni da Fiesole von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Fra Giovanni da Fiesole“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine Hommage an den gleichnamigen florentinischen Maler, besser bekannt als Fra Angelico. Es würdigt dessen Leben und Werk, indem es die tiefe Spiritualität und Frömmigkeit, die in seinen Bildern zum Ausdruck kommt, hervorhebt. Waiblinger zeichnet das Bild eines Künstlers, dessen Schaffen untrennbar mit seinem Glauben verbunden ist, und hebt die Bedeutung von Demut und Hingabe als zentrale Aspekte seines künstlerischen und persönlichen Lebens hervor.

Das Gedicht teilt sich in drei Strophen auf, die jeweils unterschiedliche Facetten von Fra Angelicos Wesen beleuchten. Die erste Strophe betont die spirituelle Natur seiner Kunst. Waiblinger beschreibt die Kunst als ein Gebet, das die Seele nach Gott emporhebt. Der Maler wird als „getreuer Knecht“ dargestellt, der sein Leben und seine Kunst dem „Herrn“ und dem „Reiche des Sohnes“ widmet. Dies deutet auf ein tiefes Gefühl der Hingabe und Unterordnung unter den Willen Gottes hin, das als zentrale Triebfeder für sein Schaffen gesehen wird. Die Pinselstriche werden somit zu Werkzeugen des Glaubens, die seine Kunst zu einem Ausdruck der Frömmigkeit machen.

Die zweite Strophe widmet sich der Reinheit und Heiligkeit seiner Kunst. Fra Angelico malte ausschließlich „Heiliges“, da er sich Gott gewidmet hatte, und die Kunst war für ihn eine „heilige Priesterin“. Die Inspiration kam nicht von einer weltlichen Muse, sondern von Engeln, die herabgestiegen, um ihn zu segnen. Diese Vorstellung unterstreicht die göttliche Inspiration, die seinen Bildern innewohnt, und betont die Transzendenz und Erhabenheit seiner Werke. Sie sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Botschaften des Glaubens, die die Betrachter dazu anregen sollen, über das Irdische hinauszublicken und sich dem Göttlichen zuzuwenden.

Die abschließende dritte Strophe reflektiert über die Beziehung zwischen Fra Angelicos Frömmigkeit und seiner künstlerischen Leistung. Waiblinger stellt die These auf, dass der „Genius“ sich dem Himmel „in kühnerm Schwung“ nähern könnte, was auf eine gewisse kritische Distanz zur Kunst des Fra Angelico hindeutet. Der Autor stellt jedoch klar, dass seine Demut und Frömmigkeit ihn nicht zum „Begeistertsten“, sondern zum „Frömmsten, Gemüthlichsten“ Maler gemacht haben. Das Gedicht endet mit der Feststellung, dass Fra Angelico gerade durch seine tiefe Hingabe an Gott und sein demütiges Wesen zu einem einzigartigen Künstler wurde.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.