Fontana Trevi
1815Früh schon hab′ ich, fast noch Knabe, Meine Lippen so wie jetzt, Quelle Trevi, an der Labe Deiner reinen Flut genetzt.
Und von deinem Zaubertranke An die ew′ge Stadt gebannt, Jahr für Jahr, der Sehnsuchtkranke, Zog ich an den Tiberstrand.
Saß auf bröckelndem Gesteine, Wo Metellas Asche ruht, Schweifte in Egerias Haine, Schlürfte, Quell, von deiner Flut.
Und auf mich, da der Albaner Berge wieder vor mir blaun, Seh′ ich nun als ernsten Mahner Cestius′ Denkstein niederschaun.
Sei′s! Muß ich zum letztenmale Schöpfen aus dem Trevistrom, Noch die randgefüllte Schale Weih′ ich dem geliebten Rom.
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Interpretation
Das Gedicht "Fontana Trevi" von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs mit der ewigen Stadt Rom und ihrer berühmten Trevi-Quelle. Der Sprecher erinnert sich an seine Jugend, als er erstmals von der Quelle trank und von ihrem Zauber gefesselt wurde. Seitdem fühlt er sich magisch zu Rom hingezogen und kehrt Jahr für Jahr an den Tiber zurück. In der zweiten Strophe schildert der Sprecher seine Erkundungen in Rom. Er sitzt auf den Ruinen der Villa Metella, streift durch die Haine Egerias und trinkt erneut von der Trevi-Quelle. Die Erwähnung dieser antiken Stätten unterstreicht die tiefe Verwurzelung des Sprechers in der römischen Geschichte und Kultur. Der Anblick des Grabmals des Cestius auf den Albaner Bergen mahnt ihn schließlich zur Besinnung auf die Vergänglichkeit. In der Schlussstrophe besinnt sich der Sprecher darauf, dass sein Aufenthalt in Rom möglicherweise zu Ende geht. Doch auch wenn er zum letzten Mal aus dem Trevi-Bach schöpft, will er die Schale noch einmal der geliebten Stadt Rom weihen. Das Gedicht endet mit einem Bekenntnis zur ewigen Faszination Roms und der Bereitschaft, sich der Stadt auch im Abschied noch einmal hinzugeben. Die Trevi-Quelle wird so zum Symbol einer unzerstörbaren Verbindung zwischen dem lyrischen Ich und der ewigen Stadt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Saß auf bröckelndem Gesteine
- Anapher
- Quelle Trevi, an der Labe Deiner reinen Flut genetzt
- Anspielung
- Seh′ ich nun als ernsten Mahner Cestius′ Denkstein niederschaun
- Metapher
- randgefüllte Schale
- Personifikation
- Und von deinem Zaubertranke An die ew′ge Stadt gebannt