Folg mir in mein Domizil

Erich Kurt Mühsam

unknown

Folg mir in mein Domizil, liebes Kind, und frag nicht viel. Wirst schon alles lernen, wirst schon alles sehn, liest nicht in den Sternen, was dir heut noch alles kann für Heil geschehn.

Stehst herum in Nacht und Wind. Komm! Bei mir ist′s warm, mein Kind. Geb dir einen Taler, koch dir ein Glas Tee. Einen Emmentaler essen wir selbander auf dem Kanapee.

Bleibst bei mir bis früh am Tag. Geht dann jeder, wo er mag. Ich zum Redaktöre, du, wohin dich′s treib. Morgen küßt, ich schwöre, dich mein guter Nachbar, mich des Nachbars Weib.

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Interpretation

Das Gedicht "Folg mir in mein Domizil" von Erich Kurt Mühsam ist eine düstere und zynische Darstellung einer verlockenden, aber letztlich ausbeuterischen Beziehung. Der Sprecher lädt ein Kind ein, ihm in sein Heim zu folgen, und verspricht Wärme, Nahrung und Schutz vor den Widrigkeiten der Welt. Doch hinter dieser scheinbaren Großzügigkeit verbirgt sich eine manipulative Absicht, die das Kind ausnutzen will. Die zweite Strophe des Gedichts verdeutlicht die scheinbare Großzügigkeit des Sprechers, der dem Kind einen Taler, Tee und Käse anbietet. Diese Angebote dienen jedoch nur als Köder, um das Vertrauen des Kindes zu gewinnen und es in eine ausbeuterische Situation zu locken. Die Verwendung des Wortes "selbander" (zusammen) suggeriert eine falsche Intimität und Verbundenheit, die der Sprecher vorgibt, aber nicht wirklich empfindet. In der letzten Strophe wird die wahre Natur der Beziehung zwischen dem Sprecher und dem Kind offenbart. Der Sprecher plant, das Kind am nächsten Tag zu verlassen und zu seinem Redakteur zu gehen, während das Kind sich selbst überlassen bleibt. Der letzte Vers ist besonders zynisch und deutet darauf hin, dass der Sprecher das Kind nicht nur ausnutzen, sondern auch sexuell missbrauchen wird. Die Verwendung des Wortes "küsst" in diesem Kontext ist besonders verstörend und deutet auf eine Verletzung der Unschuld und Integrität des Kindes hin.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Folg mir in mein Domizil, liebes Kind, und frag nicht viel. Wirst schon alles lernen, wirst schon alles sehn, liest nicht in den Sternen, was dir heut noch alles kann für Heil geschehn.
Metapher
Folg mir in mein Domizil
Parallelismus
Stehst herum in Nacht und Wind. Komm! Bei mir ist's warm, mein Kind. Geb dir einen Taler, koch dir ein Glas Tee.
Personifikation
liest nicht in den Sternen
Synästhesie
Stehst herum in Nacht und Wind
Vergleich
Einen Emmentaler essen wir selbander auf dem Kanapee