Florida of Boston

Ferdinand Freiligrath

1833

Das Weltmeer trug dich gern; du schwimmst am Ziel der Reise. Dies ist des Hafens Thor! - nur noch durch diese Schleuse, Und deinen Kupferbauch umplätschert das Bassin! Wie sich auf dem Verdeck die rüst´gen Lootsen drängen! Zur Arbeit singen sie; - einfach, mit rauhen Klängen Schallt über´s Wasser der Refrain!

Bugspriet und Masten kahl; die Segel sind mit Schnüren Zu Bündeln eingerefft; - hier gilt es, zu bugsiren! Die Ankerwinde knarrt, das Schiff rückt langsam vor. Rasch mit den Speichen dreht sich Weißer und Mulatte, Und majestätisch zieht die schwankende Fregatte Durch das weitoffne Schleusenthor.

Von oben kann ich jetzt auf sie hinunterschauen; Mit ihrem Takelwerk, mit ihren mächt´gen Tauen Erreich´ ich sie beinah´ mit ausgestreckter Hand. Vor mir und unter mir der Schiffer gelbe Hüte; Neufundlands Dogge heult am Eingang der Kajüte, Und blickt umher und will an´s Land.

Auf einer Tonne sitzt der Steuermann am Steuer; Hier liegt das lange Boot, dort flammt das Küchenfeuer; Der Schiffskoch, Mais im Korb, tritt an den Hühnerstall. Mit voller Hand läßt er die Frucht durch´s Gitter rauschen; Die Hennen drängen sich, und picken und belauschen Der transatlant´schen Körner Fall.

Und trotzig über euch, ihr Meeranachoreten, Ihr Klausner auf der See, die ihr zwar schlecht zu beten, Doch gut zu fluchen, und im Sturm zu lästern wißt, Auf dem Besaanmast hoch seh´ ich der freien Staaten Rothstreif´ge Flagge wehn, wie sie der Hanseaten, Holländer, Dänen Flaggen grüßt.

Der weißen Sterne Schein glänzt in der blauen Feldung; Sie bringt der alten Welt von einer neuen Meldung, An deren grünem Strand das Schiff vorüberzog. Sie sah den Strom des Golfs; sie schreckte den Flamingo, Den scharlachfarbigen, als er von Sanct Domingo Gen Norden zum Ohio flog.

Dort, und am Erie-See, bei fleiß´gen Colonisten Und Bibern will er still an dem Gestade nisten, Bis wieder ihn zurück gen Süden treibt das Eis. Dort schwebt in Zügen er um dunkler Berge Firnen; Wie Indier stehn sie da: - um ihre braunen Stirnen Wallt brennendroth ein Federkreis.

Dort rudern ungestört Canada´s wilde Schwäne Auf dem Ontario, wo der Huronen Kähne Am Ufer liegen. - Halt! verstummt ist der Refrain! Im Schiffe wird es still - jetzt tritt es aus der Schleuse Hervor - ein Hussaruf! und seine Planken leise Bespült das schirmende Bassin.

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Illustration zu Florida of Boston

Interpretation

Das Gedicht "Florida of Boston" von Ferdinand Freiligrath beschreibt die Ankunft eines Schiffes im Hafen. Es beginnt mit der Ankunft des Schiffes im Hafen und der Vorfreude der Besatzung auf das Ende der Reise. Die Beschreibung der Arbeit der Mannschaft und der Vorbereitungen für das Anlegen im Hafen sind detailliert und lebendig. Das Gedicht wechselt dann zur Beschreibung der Landschaft und der Tierwelt an den Ufern des Ohio-Flusses und des Erie-Sees. Die Natur wird als wild und unberührt dargestellt, mit Bibern, Flamingos und Schwänen. Das Gedicht endet mit der Ankunft des Schiffes im Hafen und der Freude der Besatzung über das Ende der Reise.

Schlüsselwörter

gen schleuse bassin drängen refrain schiff hand will

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Stilmittel

Alliteration
Mit rauhen Klängen
Bildsprache
die schwankende Fregatte
Metapher
Hurones Kähne
Personifikation
Das Weltmeer trug dich gern