Fliegt, durch die zitternden Reben...

Adolf Friedrich Graf von Schack

1897

Fliegt, durch die zitternden Reben Ins Stübchen, ihr Töne, fliegt, Wo hinter den Gitterstäben Die Kleine schlummernd liegt!

Schon beim Klange der Saiten Regt sich die Schläferin; Liebliche Träume gleiten Fühlt sie durch Seele und Sinn!

Web′ aus tönenden Maschen, Webe ein Netz, mein Lied, Im Schlummer ihr Herz zu haschen, Das wachend scheu vor mir flieht.

Länger mit Lachen und Necken Höhnen mich soll es nicht mehr; Wo es sich mag verstecken, Fang′ es und bring′ mir her.

Nicht zürnen wird sie dem Diebe, Der es geraubt über Nacht, Wenn aus Träumen der Liebe Beim Morgenroth sie erwacht.

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Illustration zu Fliegt, durch die zitternden Reben...

Interpretation

Das Gedicht "Fliegt, durch die zitternden Reben..." von Adolf Friedrich Graf von Schack erzählt von der Sehnsucht eines Liebenden, der seine Angebetete im Schlaf erreichen möchte. Die Töne des Liedes sollen durch die Reben zu ihr fliegen und sie sanft aus dem Schlaf wecken, um ihr zarte Träume zu schenken. Die Musik wird dabei als ein Netz beschrieben, das ihr Herz im Schlaf fangen soll, da es im Wachzustand scheu vor ihm flieht. In der zweiten Strophe wird deutlich, dass die Liebende im Wachzustand spielerisch und neckend ist, was den Sprecher frustriert. Er wünscht sich, dass die Musik ihr Herz erreicht und sie nicht mehr mit Lachen und Neckereien ärgern kann. Der Sprecher imaginiert, dass die Musik ihr Herz findet und zu ihm bringt, um es für sich zu gewinnen. Die letzte Strophe offenbart die Hoffnung des Sprechers, dass die Angebetete ihm nicht böse sein wird, wenn er ihr Herz im Schlaf stiehlt. Er glaubt, dass sie nach dem Erwachen aus Träumen der Liebe nicht zürnen wird, sondern vielmehr die Verbindung zwischen ihnen anerkennen wird. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass die Liebende am Morgenrot erwacht und die Liebe, die im Schlaf gewachsen ist, nun auch im Wachzustand bestehen kann.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schon beim Klange der Saiten
Metapher
Das wachend scheu vor mir flieht
Personifikation
Liebliche Träume gleiten Fühlt sie durch Seele und Sinn
Symbolik
Wo hinter den Gitterstäben Die Kleine schlummernd liegt