Flammen
1813“Wollen sie ihr nicht vorgestellt sein?” flüsterte mir die Herzogin.- “Beileibe nicht, ich müßt ein Held sein ihr Anblick schon wirrt mir den Sinn.”
Das schöne Weib macht mich erbeben! Es ahnet mit, in ihrer Näh beginnt für mich ein neues Leben, mit neuer Lust, mit neuem Weh.
Es hält wie Angst mich von ihr ferne, es treibt mich Sehnsucht hin zu ihr! Wie meine Schicksals wilden Sterne erscheinen diese Augen mir.
Die Stirn ist klar. Doch es gewittert dahinter schon der künftge Blitz, der künftge Sturm, der mich erschüttert bis in der Seele tiefsten Sitz.
Der Mund ist fromm. Doch mit Entsetzen unter den Rosen seh ich schon die Schlangen, die mich einst verletzen mit falschem Kuss, mit süßem Hohn.
Die Sehnsucht treibt. - Ich muss mich näh`ren dem holden, unheilschwangern Ort - schon kann ich ihre Stimme hören - klingende Flammen ist ihr Wort.
Sie fragt: “Monsieur, wie ist der Name der Sängerin, die eben sang?” Stotternd antworte ich der Dame: “Hab nichts gehört von dem Gesang.”
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Interpretation
Das Gedicht "Flammen" von Heinrich Heine handelt von der ambivalenten Anziehungskraft und Furcht, die eine faszinierende Frau auf den lyrischen Ich ausübt. Die Herzogin möchte das Ich mit dieser Frau bekannt machen, doch das Ich zögert, da ihr Anblick ihn schon verwirrt und er sich wie ein Held fühlen müsste. Das Ich beschreibt die Frau als schön und beängstigend zugleich. In ihrer Nähe beginnt für ihn ein neues Leben voller Lust und Weh. Er wird von einer Mischung aus Angst und Sehnsucht getrieben, sich ihr zu nähern. Ihre Augen erscheinen ihm wie seine schicksalhaften Sterne. Die Stirn der Frau wirkt klar, doch das Ich ahnt schon den kommenden Blitz und Sturm, der ihn bis in die tiefste Seele erschüttern wird. Auch der Mund wirkt fromm, doch unter den Rosen sieht das Ich schon die Schlangen, die es mit falschen Küssen und süßem Hohn verletzen werden. Getrieben von der Sehnsucht muss sich das Ich von der "holden, unheilschwangern" Frau nähren. Er hört schon ihre Stimme, deren Worte wie klingende Flammen klingen. Als die Frau nach dem Namen einer Sängerin fragt, antwortet das Ich stotternd, dass er nichts von dem Gesang gehört habe, was seine innere Zerrissenheit und Verwirrung verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Frage
- Wollen sie ihr nicht vorgestellt sein?
- Hyperbel
- der künftge Sturm, der mich erschüttert bis in der Seele tiefsten Sitz
- Ironie
- Hab nichts gehört von dem Gesang
- Metapher
- klingende Flammen ist ihr Wort
- Personifikation
- es ahnet mit
- Symbolik
- unter den Rosen seh ich schon die Schlangen
- Vergleich
- Wie meine Schicksals wilden Sterne erscheinen diese Augen mir