Flamme
1905Was sträubst du dich der süßen Glut, die züngelnd schon dein Haupt versengt, die liebeheißen Atems dich mit Flammenarmen eng umdrängt?!
Die Glut bin ich - und du bist mein! wirf ab, wirf ab das Alltagskleid: gib deine ganze Seele hin in ihrer nackten Herrlichkeit!
Umschlingen will ich glühend dich und pressen dich ans heiße Herz, die Kette schmelzen, die dich band, in meinem Kuss wie tropfend Erz!
Und flüstern will ich dir ins Ohr ein Wörtlein, zaub’risch wunderfein, dass du nichts andres denken sollst, als mich allein, als mich allein…
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Interpretation
Das Gedicht "Flamme" von Clara Müller-Jahnke ist eine leidenschaftliche Liebeserklärung, in der die Sprecherin den Geliebten auffordert, sich der intensiven Liebe hinzugeben. Die "süße Glut" und die "liebeheißen Atems" symbolisieren die überwältigende Leidenschaft, die bereits den Kopf des Geliebten versengt und ihn eng umschlingt. Die Sprecherin betont ihre Einheit mit dem Geliebten, indem sie sagt: "Die Glut bin ich - und du bist mein!" Sie fordert ihn auf, die alltäglichen Zwänge abzulegen und sich in seiner ganzen nackten Herrlichkeit zu zeigen. Die leidenschaftliche Natur der Liebe wird durch die Bilder von Umarmen, Pressen und Schmelzen verstärkt. Die Sprecherin möchte den Geliebten an ihr "heiße Herz" pressen und die Fesseln, die ihn binden, in ihrem Kuss wie tropfendes Erz schmelzen. Dies symbolisiert die transformative Kraft der Liebe, die alle Hindernisse überwindet und den Geliebten befreit. Die Sprecherin verspricht, ihm ein zauberhaftes Wort ins Ohr zu flüstern, das ihn dazu bringen soll, nur noch an sie zu denken und sie allein zu lieben. Das Gedicht endet mit einer eindringlichen Wiederholung: "als mich allein, als mich allein..." Dies unterstreicht die Intensität und Exklusivität der Liebe der Sprecherin. Sie möchte, dass der Geliebte sich vollständig ihr hingibt und an nichts anderes mehr denkt als an sie. Das Gedicht vermittelt eine starke emotionale Intensität und die tiefe Verbundenheit zweier Menschen, die durch die Flamme der Liebe zusammengeschweißt werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- wirf ab, wirf ab das Alltagskleid: gib deine ganze Seele hin in ihrer nackten Herrlichkeit
- Metapher
- flüstern will ich dir ins Ohr ein Wörtlein, zaub'risch wunderfein
- Personifikation
- die liebeheißen Atems dich mit Flammenarmen eng umdrängt
- Wiederholung
- als mich allein, als mich allein