Finale
1920(Zu einem Bilde von Franz Rieth)
Die Kater, die Kater, sie kommen, Die großen, die schwarzen, die frommen! Pfui, hockt mir schon einer im Nacken - Nun wollen wir wilder uns packen, Nun wollen wir toller uns küssen, Weil wir dran glauben müssen!
He, Schalksnarr, du treuer, blutroter, Grünblaßüberwachter, halbtoter, Nun spiel′ uns die lärmendste Weise, Nun hetz′ uns noch heißer im Kreise - Noch einmal sei Tröster und Treiber Der dreimal gepriesenen Leiber!
Ha schau, wie die Kater sich mehren Zu greulich verfolgenden Heeren! Nun all′ in die Arme von allen, So spüren wir nichts von den Krallen - So mag uns im Jauchzen und Springen Der höllgelbe Morgen verschlingen!
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Interpretation
Das Gedicht "Finale" von Hanns von Gumppenberg beschreibt eine nächtliche, ausgelassene und wilde Feier, bei der sich die Protagonisten in einem Rausch aus Leidenschaft und Vergnügen verlieren. Die "Kater" symbolisieren dabei die Teilnehmer dieser orgiastischen Zusammenkunft, die sich in einem Zustand der Ekstase und des Verzichts auf rationale Kontrolle befinden. Die Atmosphäre ist von einer Mischung aus Lust und Gefahr geprägt, da die "Krallen" der Kater zwar spürbar sind, aber im Moment des gemeinsamen Rausches als unwichtig erscheinen. Die Stimmung eskaliert im Verlauf des Gedichts, wobei die Anwesenden immer wilder und leidenschaftlicher werden. Der "Schalksnarr" wird als treibende Kraft dargestellt, die die Feiernden zu immer extremeren Handlungen anstachelt. Die Musik und der Rhythmus spielen eine zentrale Rolle, da sie die Teilnehmer in einen Zustand der kollektiven Ekstase versetzen und sie zu einem Höhepunkt der Ausschweifung führen. Die "dreimal gepriesenen Leiber" deuten auf eine Art Heiligung des körperlichen Genusses hin, der in diesem Moment als höchste Form des Seins empfunden wird. Im Finale des Gedichts kulminiert die Feier in einem chaotischen und fast apokalyptischen Höhepunkt. Die Kater vermehren sich zu einem "greulich verfolgenden Heer", was die Intensität und die überwältigende Natur der Erfahrung unterstreicht. Die Teilnehmer werfen sich in die Arme der anderen, um die Realität der Gefahr zu verdrängen und sich ganz dem Moment hinzugeben. Der "höllgelbe Morgen" symbolisiert das Ende dieser nächtlichen Ausschweifung und deutet auf die Konsequenzen hin, die nach solch einem Exzess folgen könnten. Das Gedicht endet mit einem Bild der Selbstzerstörung, in der die Teilnehmer bereit sind, von der Morgendämmerung "verschlungen" zu werden, um den Höhepunkt ihrer Ekstase zu erreichen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ha schau, wie die Kater sich mehren
- Anapher
- Die Kater, die Kater, sie kommen
- Hyperbel
- Zu greulich verfolgenden Heeren
- Metapher
- Nun wollen wir wilder uns packen
- Personifikation
- Nun spiel′ uns die lärmendste Weise
- Symbolik
- Der höllgelbe Morgen