Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
, , , , , , , , ,

Fieberglut

Von

Durch meine Adern
Rast Fieberglut!
In meinem kranken
Ausgedörrten Hirne
Lodert des Wahnsinns
Flamme empor!
Aus Nacht und Graus,
Aus wilder Verzweiflung
Schreit meine Seele
Nach dir, nach dir
Du süße
Ewigverlorene Geliebte!
In heißen Thränen
Quillt das Opfer
Unendlicher Sehnsucht.
O daß ich vergessen könnte! …
Ertödten der Erinnerung
Vielholden Mährchenduft!
In tollem Sinnentaumel
Bachantisch schwelgen,
Hinsterben in den Wonnen
Rauschseliger Liebe! …
Wie schön schien die Welt
Dem Auge des Glücklichen!
Ein schimmernder Blüthenhag
Süß umwoben und durchzittert
Von Duft und Schall
Und nun –
In Nacht getaucht
Ist der Lichtkreis der Sonne,
Zum Schmerz wird jeder Athemzug
Der leidgepreßten Brust,
Immer wieder wühl‘ ich,
O wollüstige Selbstqual!
In meiner Wunde,
Der nie verharschenden …

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Fieberglut von Wilhelm Arent

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Fieberglut“ von Wilhelm Arent ist ein intensiver Ausdruck von Leid, Wahnsinn und unstillbarer Sehnsucht. Es zeichnet das Bild eines gequälten Ichs, das sich in einem Zustand extremer körperlicher und seelischer Erschöpfung befindet, vermutlich ausgelöst durch Krankheit, wie der Titel andeutet, oder möglicherweise durch eine tiefe emotionale Erschütterung. Die Sprache ist von Beginn an expressiv, mit kraftvollen Bildern wie „Rast Fieberglut“ und „Lodert des Wahnsinns Flamme empor!“, die die innere Zerrissenheit und das Chaos im Geist des Sprechers verdeutlichen.

Der zentrale Fokus des Gedichts liegt auf der Sehnsucht nach einer „ewigverlorenen Geliebten“. Diese Abwesenheit wird als Ursache des Leids identifiziert, und das Gedicht spiegelt die Qualen der Erinnerung wider. Der Sprecher wünscht sich das Vergessen, sehnt sich nach der Auslöschung der Erinnerung und nach einem Zustand berauschender Hingabe („Bachantisch schwelgen, / Hinsterben in den Wonnen / Rauschseliger Liebe!“). Dieser Wunsch nach Flucht in Ekstase und Vergessenheit ist ein Zeichen der Verzweiflung und der Unfähigkeit, das erlittene Leid zu bewältigen.

Das Gedicht verwendet Kontraste, um die Tiefe des Schmerzes zu verstärken. Die Erinnerung an die „schöne Welt“, als das „Auge des Glücklichen“ sie sah, wird der gegenwärtigen Realität gegenübergestellt, die von Dunkelheit, Schmerz und dem Gefühl des Verlusts geprägt ist. Der Vergleich des „schimmernden Blüthenhags“ mit der „Nacht“ des gegenwärtigen Zustands unterstreicht die Tragik des Verlusts und die Unfähigkeit, jemals wieder zu dem früheren Zustand des Glücks zurückzukehren.

Die letzten Zeilen des Gedichts sind besonders eindringlich und zeigen die Selbstzerstörung und die Unfähigkeit, aus dem Kreislauf des Leidens auszubrechen. Das wiederholte „Immer wieder wühl‘ ich / In meiner Wunde, / Der nie verharschenden …“ verdeutlicht die Unfähigkeit, den Schmerz zu überwinden und die Wunde zu heilen. Der Sprecher scheint in seinem Leiden zu verharren, unfähig, sich von der Vergangenheit zu lösen oder Trost zu finden. Die „Fieberglut“ ist somit nicht nur eine physische, sondern auch eine emotionale und psychische Erfahrung, die den Sprecher in ihren Bann zieht.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.