Feuerfarb

Sophie Friederike Brentano

1770

Ich weiss eine Farbe, der bin ich so hold, die achte ich höher als Silber und Gold, die trag’ ich so gerne um Stirn und Gewand, und habe sie genannt.

Wohl reizet die Rose mit sanfter Gewalt; doch bald ist verblichen die süsse Gestalt: drum ward sie zur Blume der geweiht; bald schwindet ihr Zauber vom Hauche der Zeit.

Die Bläue des Himmels strahlt herrlich und mild; drum gab man der dies freundliche Bild. Doch trübet manch ein Wölkchen den Äther so rein; so schleichen beim Treuen oft Sorgen sich ein.

Die Farbe des Schnees, so strahlend und licht, heisst Farbe der ; doch dauert sie nicht. Bald ist es verdunkelt, das blendende Kleid: So trüben auch Unschuld Verleumdung und Neid.

Und Frühlings, von schmeichelnden Lüftchen entbrannt, trägt Wäldchen und Wiese der Gewand. Bald welken die Blätter und sinken hinab: so sinkt der Hoffnungen liebste ins Grab.

Nur bleibt ewig, und wandelt sich nicht: sie flammt wie der Sonne alleuchtendes Licht. Ihr hab’ ich mich ewig zu eigen geweiht. Wohl dem, der ihr blitzendes Auge nicht scheut!

Warum ich, so fragt ihr, der Farbe so hold, den heiligen Namen der gezollt? - Weil flammender Schimmer von ihr sich ergiesst, und ruhige Dauer sie schützend umschliesst.

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Illustration zu Feuerfarb

Interpretation

Das Gedicht "Feuerfarb" von Sophie Friederike Brentano ist eine Ode an die Farbe Rot. Die Autorin preist die Farbe als die schönste und wertvollste, die sie kennt. Sie vergleicht sie mit anderen Farben und Symbolen wie der Rose, dem Himmel, dem Schnee und dem Frühling, die alle ihre Schönheit und Vergänglichkeit haben. Die Farbe Rot hingegen bleibt ewig und wandelt sich nicht. Sie ist wie das Licht der Sonne, das blendet und erleuchtet. Die Autorin weiht sich selbst dieser Farbe und ruft andere dazu auf, sich ihr nicht zu entziehen. Das Gedicht ist in sechs Strophen gegliedert, die jeweils vier Zeilen haben. Die erste und die letzte Strophe bilden einen Rahmen, in dem die Autorin ihre Liebe zur Farbe Rot begründet und ihre Hingabe ausdrückt. Die vier mittleren Strophen stellen jeweils eine andere Farbe oder ein anderes Symbol vor, das mit der Farbe Rot kontrastiert wird. Die Reime sind durchgehend und folgen dem Schema AABB. Die Sprache ist bildhaft und metaphorisch, wobei die Farben oft personifiziert werden. Das Gedicht vermittelt eine positive und leidenschaftliche Stimmung, die die Farbe Rot als etwas Einzigartiges und Unvergängliches feiert.

Schlüsselwörter

farbe bald hold gewand drum geweiht licht ewig

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Flammender Schimmer von ihr sich ergiesst
Hyperbel
Wohl dem, der ihr blitzendes Auge nicht scheut
Kontrast
Und Frühlings, von schmeichelnden Lüftchen entbrannt, trägt Wäldchen und Wiese der Hoffnung Gewand
Metapher
Ich weiss eine Farbe, der bin ich so hold
Personifikation
Bald ist verblichen die süsse Gestalt
Symbolik
Die Farbe des Schnees, so strahlend und licht, heisst Farbe der Unschuld
Vergleich
So trüben auch Unschuld Verleumdung und Neid
Wiederholung
Nur Hoffnung bleibt ewig, und wandelt sich nicht