Festlied

Max von Schenkendorf

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Nun singt, von Andacht hoch durchglüht, Der Freiheit Lobgesang! Im Himmel und auf Erden klang Noch nie ein schönres Lied. Denn Freiheit war das Meisterwort, Als Gott die Geister schuf; O Freiheit unser Stern und Hort, Wir hörten auch den Ruf.

Da brach hervor zu Gotteslust Was lang im Finstern schlief, Der Keim der Freiheit, welcher tief Entsproß in Menschenbrust. In tausend Aesten brach es aus, Das junge zarte Reis, Ein reicher voller Blütenstrauß Zu Gottes Ehr′ und Preis.

Sei hochgepriesen, goldne Zeit, O freie Hirtenwelt! Der strengen Männer Busen schwellt Nach dir ein stiller Neid. Doch Schöneres wird nie gesehn, Als wenn ein holdes Kind Emporschaut nach den ew′gen Höhn, Wenn sich der Mensch besinnt.

Er fühlt sich Meister jedes Dings Und kennet sein Geschlecht, Er bildet sich ein heilig Recht Und blicket rechts und links. Was ihn als Ahnung fern umschwebt, Was schaute die Vernunft, Der Schöpfertrieb, der in ihm lebt, Stellt′s dar in Haus und Zunft.

So schaut man im Gesetz verklärt Vollkommner Freiheit Bild; Sie hat auch unser Herz erfüllt, Ein Kleinod hoch und werth. Drum achten wir im blut′gen Bann Das fluchbeladne Haupt, Den Feind, den Räuber, den Tyrann, Der uns die Freiheit raubt.

Die alte Kunde schwebt herab In wunderbarem Glanz; Wir opfern diesen Eichenkranz Dir, o Spartanergrab; Wir kennen deinen schönen Brauch, Geliebtes Griechenland, Und halten unter Myrthen auch Am blanken Stahl die Hand.

Der Name Brutus, der geweiht In Roma′s Schicksal klingt, Mit dem die Freiheit kommt und sinkt, Ist uns ein theurer Eid. Tyrannenmörder, seid gegrüßt, Ihr Priester für das Recht, Ihr Helden, eurem Staub entsprießt Ein herrliches Geschlecht.

Wir kennen auch den wackern Tell Und seines Bogens Kraft, Wir preisen seine Wissenschaft Vor jedem Waidgesell: Freiwillig hat die Jägerschaar Der Preußen in der Schlacht Ihr Blut auf heil′gem Sühnaltar Zum Opfer dargebracht.

Noch einen Namen nennt man hier, Ein heil′ges Losungswort, Der scheucht allein schon Feinde fort, Der Deutschen Stolz und Zier, O Hermann, Hermann werde wach, Wir haben′s wohl gemeint, Die Pleiße wie der Rodenbach Sah fallen Deutschlands Feind.

Da schien das junge Himmelslicht Herab auf rothen Grund. Auf rother Erde schloß den Bund Das heimliche Gericht. So soll uns ewig heißen roth Dein Boden, theures Land, Wo man mit Schwert und Henkerstod Den welschen Feind verbannt.

Und wie im alten Testament Der fromme Pineas Entbrennt in Eifer und in Haß, Wie Maccabäus brennt, Wie Flammen, d′rein der Sturmwind blies, Erheben wir das Schwert, Ein Cherub vor dem Paradies Stehn wir vor unserm Herd!

Wie wir nun jetzt verschlungen stehn Nach einem heil′gen Brauch, Mag der geweihte Becher auch Durch unsre Reihen gehn. Das ist ein vaterländ′scher Wein, Und Jeder, welcher trinkt, Schwört, seiner Väter werth zu sein, Bis er voll Wunden sinkt!

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Illustration zu Festlied

Interpretation

Das Gedicht "Festlied" von Max von Schenkendorf ist ein patriotisches und freiheitsbewegtes Werk aus dem Jahr 1814. Es feiert die Idee der Freiheit als göttliches Geschenk und ruft die Menschen dazu auf, für sie einzustehen. Der Dichter verwebt historische Bezüge und mythologische Elemente, um die Bedeutung der Freiheit zu unterstreichen. Das Gedicht ist geprägt von einem starken Nationalstolz und dem Wunsch nach Einheit und Stärke im Kampf gegen Unterdrückung. Das Gedicht beginnt mit einem Lobgesang auf die Freiheit, der als das schönste Lied aller Zeiten bezeichnet wird. Der Dichter betont, dass die Freiheit von Gott geschaffen wurde und dass sie ein leitendes Prinzip für die Geister ist. Er ruft die Menschen dazu auf, den Ruf der Freiheit zu hören und sich von ihr leiten zu lassen. Die Freiheit wird als ein Keim beschrieben, der tief in der menschlichen Brust entsprungen ist und sich in tausend Ästen entfaltet hat. Der Dichter lobt die goldene Zeit der freien Hirtenwelt und die Schönheit eines Kindes, das zu den ewigen Höhen aufschaut. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Freiheit als ein heiliges Recht dargestellt, das jeder Mensch besitzt. Der Dichter betont die Bedeutung des Gesetzes als verklärte Form der vollkommenen Freiheit. Er ruft dazu auf, den Feind, den Räuber und den Tyrannen zu verachten, der die Freiheit raubt. Das Gedicht enthält auch Bezüge auf historische Persönlichkeiten wie Brutus, Tell und Hermann, die als Helden und Vorkämpfer der Freiheit verehrt werden. Der Dichter beschwört die Einheit und den Zusammenhalt der Deutschen im Kampf gegen den welschen Feind. Das Gedicht endet mit einem feierlichen Trinkspruch, bei dem jeder Schwört, seiner Väter würdig zu sein und für die Freiheit zu kämpfen, bis er voll Wunden sinkt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Der strengen Männer Busen schwellt
Anspielung
Der Name Brutus, der geweiht In Roma′s Schicksal klingt
Bildsprache
Wie wir nun jetzt verschlungen stehn Nach einem heil′gen Brauch
Hyperbel
Bis er voll Wunden sinkt
Metapher
Der heimliche Gericht
Personifikation
Die alte Kunde schwebt herab
Symbolik
Der geweihte Becher