Fern von dir, o Welt

Julius Karl Reinhold Sturm

1816

Daß, o Welt, o laß mich sein! Zieh′ mich nicht in deine Kreise; Laß mich, fern von dir, allein Leben still nach meiner Weise.

Locket nicht mit Liebesgaben, Denn sie reizen mich nicht mehr, Lust und Leid hab′ ich begraben Tief in einem stillen Meer.

Laßt dies Herz alleine haben, Was ihm einzig lieb und wert, Was, o Welt, statt deiner Gaben Ihm ein güt′ger Gott beschert.

Seine Wonne, seine Pein Hat′s um heil′gen Gottesfrieden Eingetaucht, und stille sein Ist sein höchstes Glück hienieden.

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Illustration zu Fern von dir, o Welt

Interpretation

Das Gedicht "Fern von dir, o Welt" von Julius Karl Reinhold Sturm handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach innerer Ruhe und Abkehr von der äußeren Welt. Es drückt den Wunsch aus, unabhängig von den Verlockungen und Einflüssen der Gesellschaft ein stilles, eigenes Leben zu führen. Das lyrische Ich wendet sich direkt an die Welt und bittet darum, in Ruhe gelassen zu werden. Es möchte nicht in die "Kreise" der Welt gezogen werden und stattdessen "fern von ihr" ein Leben nach seiner eigenen Weise führen. Die Welt soll es nicht mit "Liebesgaben" locken, da Lust und Leid für das Ich längst begraben sind. Das Herz des lyrischen Ichs hat bereits alles, was ihm lieb und wert ist. An die Stelle der Gaben der Welt ist ein gütiger Gott getreten, der dem Ich Wonne und Pein schenkt. Durch die Immersion in den "heiligen Gottesfrieden" hat das Ich sein höchstes Glück gefunden: die Stille.

Schlüsselwörter

welt laß zieh kreise fern allein leben still

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Stilmittel

Apostrophe
Daß, o Welt, o laß mich sein! Zieh′ mich nicht in deine Kreise; Laß mich, fern von dir, allein Leben still nach meiner Weise.
Bildsprache
Seine Wonne, seine Pein Hat′s um heil′gen Gottesfrieden Eingetaucht, und stille sein Ist sein höchstes Glück hienieden.
Hyperbel
Laßt dies Herz alleine haben, Was ihm einzig lieb und wert
Metapher
Lust und Leid hab′ ich begraben Tief in einem stillen Meer.
Personifikation
Locket nicht mit Liebesgaben, Denn sie reizen mich nicht mehr
Symbol
Was, o Welt, statt deiner Gaben Ihm ein güt′ger Gott beschert.