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Fehdebrief

Von

Ich hasse dieses Mittelstraßenleben,
ich will nicht eure wohlgemeinten Reden,
ich passe nicht in euer Alltagsstreben,
ich will das Glück nicht, das da feil für Jeden!

Ich habe eine Welt in meinen Sinnen,
die Ihr nicht ahnt mit euern Biedergeistern!
Drum lasset das Bedauern, laßt das Meistern –
ich fühl′s: ich werde einst die Schlacht gewinnen!

Und habt ihr dennoch Recht mit euern Lehren
und sollt′ ich zu entketten nicht vermögen,
was in mir stöhnt und schreit dem Licht entgegen:
so werd′ ich dennoch euern Rat nicht ehren!

Ich lege eher nicht das Schwert von Händen,
bis Wunden – oder Kronen mich ermatten;
und eher nicht entgürt′ ich meine Lenden,
bis im Olymp ich – oder bei den Schatten!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Fehdebrief von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Fehdebrief“ von Richard Dehmel ist eine kämpferische Abgrenzung von der konventionellen Gesellschaft und ein Bekenntnis zur individuellen Freiheit und zum eigenen Weg. Der Titel deutet bereits auf eine Auseinandersetzung hin, ein Herausfordern der etablierten Ordnung, die in diesem Fall durch das „Mittelstraßenleben“ und die „Biedergeister“ symbolisiert wird. Der Sprecher des Gedichts lehnt die Konformität und die im Alltag angebotenen Glücksversprechen ab, da er eine eigene, tiefere Welt in sich trägt, die sich diesen Beschränkungen entzieht.

Die erste Strophe etabliert die Ablehnung des Mainstreams und des angepassten Lebensstils. Der Sprecher lehnt „wohlgemeinte Reden“ und das „Alltagsstreben“ ab. Er sucht nicht nach dem Glück, das für jeden verfügbar ist, sondern nach etwas Eigenem, das sich von der breiten Masse unterscheidet. Diese Haltung wird durch die Betonung des „Ich“ und der persönlichen Welt, die die Gesellschaft nicht versteht, weiter verstärkt. In der zweiten Strophe wird diese innere Welt als Quelle der Kraft und des Glaubens an den eigenen Erfolg herausgestellt. Der Sprecher ist überzeugt, dass er die „Schlacht“ letztendlich gewinnen wird, was auf einen unerschütterlichen Willen und eine innere Stärke hindeutet.

Die dritte Strophe drückt eine trotzige Haltung aus, selbst wenn die Gesellschaft Recht haben sollte und der Sprecher seine innere Welt nicht befreien kann. Selbst im Fall des Scheiterns, wird er die Ratschläge der anderen nicht befolgen oder ihre Anerkennung suchen. Diese Trotzreaktion zeigt eine tiefe Überzeugung in die eigene Wahrheit und eine Unfähigkeit, sich dem Druck der Gesellschaft zu beugen. Die letzten Zeilen unterstreichen diesen Kampfgeist durch die Metaphern des Schwertes und der Wunden, die den Sprecher bis zum Äußersten treiben.

Die letzte Strophe verfestigt diese Entschlossenheit. Der Sprecher wird erst aufgeben, wenn er entweder „Wunden“ hat oder eine „Krone“ erlangt – also entweder durch Scheitern zerstört wurde oder durch Erfolg Ruhm erntete. Das Bild von Olymp oder Schatten verdeutlicht die Vorstellung von einem Kampf auf Leben und Tod, von einer existenziellen Auseinandersetzung. Dehmels Sprache ist direkt und leidenschaftlich, geprägt von starken Bildern und einem unverkennbaren Kampfgeist, der das Gedicht zu einer Ode an die individuelle Freiheit und den unerschütterlichen Glauben an die eigenen Ideale macht.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.