Fehdebrief

Richard Dehmel

1920

Ich hasse dieses Mittelstraßenleben, ich will nicht eure wohlgemeinten Reden, ich passe nicht in euer Alltagsstreben, ich will das Glück nicht, das da feil für Jeden!

Ich habe eine Welt in meinen Sinnen, die Ihr nicht ahnt mit euern Biedergeistern! Drum lasset das Bedauern, laßt das Meistern - ich fühl′s: ich werde einst die Schlacht gewinnen!

Und habt ihr dennoch Recht mit euern Lehren und sollt′ ich zu entketten nicht vermögen, was in mir stöhnt und schreit dem Licht entgegen: so werd′ ich dennoch euern Rat nicht ehren!

Ich lege eher nicht das Schwert von Händen, bis Wunden - oder Kronen mich ermatten; und eher nicht entgürt′ ich meine Lenden, bis im Olymp ich - oder bei den Schatten!

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Illustration zu Fehdebrief

Interpretation

Das Gedicht "Fehdebrief" von Richard Dehmel ist eine kraftvolle Erklärung des individuellen Widerstands gegen gesellschaftliche Konventionen und Erwartungen. Der Sprecher distanziert sich vehement von einem durchschnittlichen, mittelmäßigen Lebensstil und lehnt die wohlmeinenden Ratschläge und das Streben nach allgemeinem Glück ab. Er betont, dass er eine eigene, tiefere Welt in sich trägt, die den biederen Geistern der Gesellschaft unbekannt ist. Der Sprecher ist entschlossen, seinen eigenen Weg zu gehen und die Schlacht gegen die gesellschaftlichen Normen zu gewinnen. Der zweite Teil des Gedichts zeigt die unerschütterliche Entschlossenheit des Sprechers, selbst wenn die Gesellschaft mit ihren Lehren Recht haben sollte. Er weigert sich, den inneren Drang zu unterdrücken, der nach Licht und Freiheit schreit. Der Sprecher ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen und weder das Schwert aus der Hand zu legen noch seinen Willen zu beugen, bis er entweder triumphierend im Olymp steht oder in den Schatten versunken ist. Dies verdeutlicht seine unerschütterliche Hingabe an seinen persönlichen Kampf und seine Überzeugung, dass es sich lohnt, für seine Ideale einzustehen, unabhängig vom Ausgang. Das Gedicht ist ein eindringlicher Ausdruck des individuellen Aufbegehrens gegen die Konformität und ein Plädoyer für die Verfolgung persönlicher Ziele und Träume. Dehmel verwendet starke, kämpferische Bilder, um die Intensität und Entschlossenheit des Sprechers zu vermitteln. Der "Fehdebrief" ist somit eine kraftvolle Manifestation des individuellen Willens und des Strebens nach Selbstverwirklichung in einer Welt, die oft Konformität und Anpassung fordert.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
euer Alltagsstreben
Kontrast
bis im Olymp ich - oder bei den Schatten
Metapher
was in mir stöhnt und schreit dem Licht entgegen
Parallelismus
bis im Olymp ich - oder bei den Schatten
Personifikation
was in mir stöhnt und schreit dem Licht entgegen
Wiederholung
euer Rat