Februar

Wilhelm Müller

1827

Erkennst du mich in meinem bunten Kleide, Mit meiner Pritsche, meinem Schellenhut, Mit meinem unermüdlich krausen Muth, Voll Scherz und Rank und Witz und Schadenfreude?

Doch zapft man hier, zu meinem großen Leide, Mir jährlich ab ein Becken wildes Blut: Humanitas meint es mit mir nicht gut, Und schwärzt mich an mit unhumanem Neide.

Ich darf nicht mehr frei durch die Straße wandern, In enge Säle schließen sie mich ein, Und wollen gar, ich soll vernünftig sein.

Wie thut mir’s weh um dich vor allen Andern! Ich möchte gern dich römisch lustig sehn, Und müßt’ ich selbst dabei zu Grunde gehn.

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Illustration zu Februar

Interpretation

Das Gedicht "Februar" von Wilhelm Müller handelt von der Personifikation des Monats Februar als einer fröhlichen, ausgelassenen Figur, die in einem bunten Gewand und mit Schellenhut durch die Straßen zieht. Der Februar wird als ein Monat voller Humor, Witz und Lebensfreude dargestellt, der jedoch von der Gesellschaft nicht mehr geschätzt wird. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt, wie der Februar von der Gesellschaft unterdrückt und eingeschränkt wird. Der Monat wird symbolisch als ein Becken wildes Blut dargestellt, das ihm jährlich abgezapft wird. Die Humanitas, also die Menschlichkeit, meint es nicht gut mit dem Februar und schmäht ihn mit unhumanem Neid. Der Februar darf nicht mehr frei durch die Straßen wandern und wird in enge Säle eingeschlossen, wo er sich vernünftig verhalten soll. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Februar seinen Schmerz über die Veränderung aus und sehnt sich danach, dass die Menschen wieder römisch lustig werden. Er ist bereit, selbst dafür zu sterben, solange die Menschen ihre Freude und Ausgelassenheit wiederentdecken. Das Gedicht kann als eine Kritik an der Unterdrückung von Lebensfreude und Individualität in der Gesellschaft interpretiert werden und plädiert für eine Rückkehr zu einer fröhlicheren und unbeschwerteren Lebensweise.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Februar

Stilmittel

Alliteration
mit meinem unermüdlich krausen Muth
Hyperbel
Ich möchte gern dich römisch lustig sehn, Und müßt' ich selbst dabei zu Grunde gehn
Metapher
In enge Säle schließen sie mich ein
Personifikation
schwärzt mich an mit unhumanem Neide