Faun

Max Dauthendey

1883

Im Walde Faun, Tief im Grase. Die Ohren gereckt, mit schnuppernder Nase, Horcht über die Halme zur sinkenden Sonne.

Und die Affenstirne in Falten geschoben, Und zitternd die geballte Rechte gehoben: “Verfluchte Gewalt, du sollst mich nicht zwingen!”

Die Sonne sinkt. Die Nachtdüfte steigen, Aus der Waldtiefe Schwillt rot das Schweigen.

Faun kriecht zusammen, In die harten Blätter am Boden, Scharrt Moos, Steine auf: “Erde, lass mich hinein!” Und er wühlt die Stirn in die Erde ein, Beißt um sich, zerfetzt, hackt - Aber alles bleibt reglos. Sie hören ihn nicht. Nur Stille rings mit versteintem Gesicht. Mondlicht brennt. Im Walde jagen die weißen eisigen Feuer, Und von brünstigen Flammen entfacht, Tanzt Faun und lacht, Und tanzt und lacht, Mit wunden Augen in brünstigen Flammen.

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Illustration zu Faun

Interpretation

Das Gedicht "Faun" von Max Dauthendey erzählt von einem mythischen Wesen, das tief im Wald lebt. Der Faun horcht mit aufmerksamen Ohren und schnüffelnder Nase auf die sinkende Sonne. Seine Affenaugen sind in Falten gelegt, und er erhebt zitternd seine geballte rechte Hand, um gegen eine verfluchte Macht anzukämpfen, die ihn zu zwingen droht. Als die Sonne untergeht und die Düfte der Nacht aufsteigen, schwillt aus der Tiefe des Waldes ein rotes Schweigen an. Der Faun kriecht zusammen, scharrt Moos und Steine auf und fleht die Erde an, ihn aufzunehmen. Er wühlt seine Stirn in die Erde, beißt um sich und zerfetzt alles, doch alles bleibt reglos. Nur Stille umgibt ihn mit versteintem Gesicht. Unter dem brennenden Mondlicht jagen im Wald weiße, eisige Feuer. Von brünstigen Flammen entfacht, tanzt und lacht der Faun mit wunden Augen in den lodernden Flammen. Das Gedicht beschreibt eine surreale, fast traumartige Szene, in der der Faun zwischen Verzweiflung und Ekstase schwankt und schließlich in einem wilden Tanz aufgeht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Faun

Stilmittel

Alliteration
Mit wunden Augen in brünstigen Flammen
Bildsprache
Die Sonne sinkt. Die Nachtdüfte steigen, Aus der Waldtiefe Schwillt rot das Schweigen.
Hyperbel
Und er wühlt die Stirn in die Erde ein, Beißt um sich, zerfetzt, hackt
Kontrast
Sie hören ihn nicht. Nur Stille rings mit versteintem Gesicht.
Metapher
Im Walde Faun, Tief im Grase.
Personifikation
Verfluchte Gewalt, du sollst mich nicht zwingen!
Symbolik
Mondlicht brennt. Im Walde jagen die weißen eisigen Feuer