Fasching
1905Wie eine reife, süsse Dolde hing deine Güte über mir; im Rausche griff ich nach dem Golde und streifte schon an seine Zier.
Nun hat ein graugewobner Schleier mir deinen Liebreiz jäh vermummt; und unsrer Seelen bunte Feier ist ohne Klagelaut verstummt.
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Interpretation
Das Gedicht "Fasching" von Otto Erich Hartleben thematisiert den plötzlichen Verlust einer geliebten Person und den damit einhergehenden emotionalen Einbruch. Die Metapher der "reifen, süssen Dolde" symbolisiert die Güte und Schönheit des geliebten Menschen, die über dem lyrischen Ich schwebt. Der "Rausch" steht für die euphorische und sorglose Phase der Liebe, in der das lyrische Ich nach dem "Golde" greift, einem Symbol für die kostbare und wertvolle Natur der Beziehung. Im zweiten Teil des Gedichts wird ein dramatischer Wendepunkt deutlich. Ein "graugewobner Schleier" verhüllt den "Liebreiz" der geliebten Person, was den plötzlichen Verlust oder das Erlöschen der Liebe andeutet. Die Farbe Grau symbolisiert hier Trauer, Kälte und das Ende der Lebendigkeit. Die "bunte Feier" der Seelen, die für die lebendige und farbenfrohe Gemeinschaft steht, verstummt ohne "Klagelaut", was auf einen tiefen Schock und die Unfähigkeit hinweist, den Schmerz laut auszudrücken. Die Struktur des Gedichts mit seinen vier Versen pro Strophe und dem Reimschema (aabb) verleiht dem Text eine rhythmische und harmonische Qualität, die im Kontrast zum plötzlichen emotionalen Bruch steht. Die Verwendung von Naturbildern wie der "Dolde" und dem "Schleier" verstärkt die Emotionalität und die Tiefe des Verlustes. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Trauer und das Gefühl des plötzlichen Verlustes, das den Leser berührt und zum Nachdenken über die Vergänglichkeit der Liebe anregt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Nun hat ein graugewobner Schleier mir deine Liebreiz jäh vermummt
- Metapher
- und unsrer Seelen bunte Feier ist ohne Klagelaut verstummt
- Personifikation
- im Rausche griff ich nach dem Golde