Fúnf ding sont die lutern megde hân
1213Wilt du den magetum zieren, Den got also sere geheret hat, Das er dur dine liebi einer megde sun wart; (Eya gedenke we sprichet das!) So solt du diemúteklich swigen Und mineclich kumber liden Und in allen stetten Alle din tage megdlicher schemede pflegen, So maht du an der kúscheit genesen. O maget, was dir dene got wil geben, Er wil dir ein schoener jungling wesen, Und wil den himelreigen mit dir treten. O ich vnselig lamer hunt! Ich húlze och mit dir. Prúve wie ich dis meine, Der luteren megde zal ist kleine.
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Interpretation
Das Gedicht "Fünf ding sont die lutern megde hân" von Mechthild von Magdeburg thematisiert die Tugenden und die spirituelle Reinheit einer Jungfrau, die sich ganz Gott hingibt. Die Autorin betont, dass wahre Schönheit und Gnade aus innerer Demut, Geduld im Leiden und der Bewahrung der Jungfräulichkeit erwachsen. Diese Eigenschaften werden als Weg zur geistlichen Vollkommenheit und zur Vereinigung mit Gott dargestellt. Mechthild von Magdeburg verwendet dabei eine sehr bildhafte und emotionale Sprache, die die tiefe spirituelle Sehnsucht und das Streben nach göttlicher Liebe ausdrückt. Sie vergleicht die Beziehung zwischen Gott und der Jungfrau mit der eines Bräutigams und seiner Braut, was die Intimität und die tiefe Verbundenheit symbolisiert. Die Autorin selbst bekennt sich als "unglücklicher lahmer Hund", was ihre eigene Unvollkommenheit und ihre Abhängigkeit von der Gnade Gottes unterstreicht. Das Gedicht schließt mit dem Hinweis auf die Seltenheit solcher reinen Jungfrauen, was ihre besondere Stellung und ihren Wert in den Augen Gottes hervorhebt. Mechthild von Magdeburg ruft die Leser dazu auf, über die tiefe Bedeutung dieser Worte nachzudenken und den Weg der geistlichen Reinheit und Hingabe zu beschreiten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Und... Und... Und
- Bildlichkeit
- alle din tage megdlicher schemede pflegen
- Hyperbel
- Der luteren megde zal ist kleine
- Imperativ
- Prúve wie ich dis meine
- Kontrast
- mineclich kumber liden
- Metapher
- Ich húlze och mit dir
- Personifikation
- got also sere geheret hat
- Rhetorische Frage
- Eya gedenke we sprichet das!
- Selbstironie
- O ich vnselig lamer hunt!