Fahrt

Alfred Wolfenstein

1945

Der D-Zug schreit und steigert sich, der Mond steht hell O Einklang aller Füße langsam - Füße schnell! Die Herzen schlagen Auf blanker Schiene mit den Wagen.

Wir sind ein Schwarm dem spröden Schritt der Städte fern! Ihr Häuser fort! mit uns fährt eisern nur der Stern Die Dörfer blinken, Von unserm Sturm verlöscht versinken.

Versenken wir das Aschengrau der Abendwelt! Wie gutes Blut zerschmilzt der Zug, was uns umstellt. Gebirge gleiten In Seen… ins Meer der Schnelligkeiten.

Doch wir gezackt wie Wolken aus dem glatten Meer Mit einem Atem dampfen wir darüber her Und brausend sehen Wir brausendere Sterne stehen ..

Seht auf, seht auf… da steigt und schreit und hebt der Zug Uns hoch in Glanz .. das Gleis verstummt… die Nacht wird Flug… Wir alle flammen Im wildren Schmelz des Sterns zusammen!

Und nagelt uns die Bremse auf Stationen fest, Wir fahren noch… ins muffige Hotel gepresst! Aus Fenstern neigen Wir uns und sausen Sternenreigen.

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Illustration zu Fahrt

Interpretation

Das Gedicht "Fahrt" von Alfred Wolfenstein beschreibt eine Zugfahrt als eine Erfahrung von Geschwindigkeit, Dynamik und Transzendenz. Der Zug wird als ein lebendiges Wesen dargestellt, das sich durch die Landschaft bewegt und dabei eine intensive Verbindung zwischen den Reisenden und der Natur schafft. In den ersten Strophen wird die Geschwindigkeit des Zuges betont, der sich durch die Nacht bewegt und dabei die Landschaft hinter sich lässt. Die Reisenden werden als ein Schwarm beschrieben, der sich von den starren Strukturen der Städte löst und in eine neue, dynamische Welt eintaucht. Die Dörfer und die Abendwelt werden als überwunden und hinterlassen dargestellt, während der Zug selbst als ein lebendiger Organismus beschrieben wird, der sich durch die Landschaft bewegt. In den folgenden Strophen wird die Intensität der Erfahrung weiter gesteigert. Der Zug wird als ein Wesen beschrieben, das sich durch die Berge und Seen bewegt und dabei eine Verbindung zu den Sternen herstellt. Die Reisenden werden als Teil dieser Dynamik dargestellt, die sich in einem wilden Schmelz aus Geschwindigkeit und Energie befindet. Die letzte Strophe beschreibt die Ankunft am Zielort, wo die Reisenden noch immer von der Intensität der Fahrt geprägt sind und sich in einem Zustand der Transzendenz befinden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Aus Fenstern neigen Wir uns und sausen Sternenreigen
Parallelismus
Die Herzen schlagen Auf blanker Schiene mit den Wagen
Personifikation
Der Mond steht hell