Fahrt ins Fextal
1920Als deine Sonne meinen Schnee beschien, ein Sonntag war′s im blauen Engadin.
Der Winter glühte und der Frost war heiß, unendlich sprühten Funken aus dem Eis.
Knirschend ergab sich alle Gegenwart, Licht tanzte zur Musik der Schlittenfahrt.
Wir fuhren jenseits aller Jahreszeit irgendwohin in die Vergangenheit.
Was rauh begonnen war, verlief uns hold, ein Tag von Silber dankt dem Strahl von Gold.
Der Zauber führt in ein versunknes Reich. Wie bettet Kindertraum das Leben weich!
Voll alter Spiele ist das weiße Tal; die Berge sammeln wir wie Bergkristall.
Trennt heut die Elemente keine Kluft? Ein Feuerfluß verbindet Erd und Luft.
Wir leben anders. Wenn′s so weiter geht, ist dies hier schon der andere Planet!
Ins Helle schwebend schwindet aller Raum. So schwerlos gleitet nach dem Tod der Traum.
Nicht birgt die Zeit im Vorrat uns ein Weh. Bleicht sich das Haar, so gibt es guten Schnee.
Uns wärmt der Winter. Leben ist ein Tag, da Slivaplanas Wind selbst ruhen mag.
Nicht Ziel, nur Rast ist′s, die das Glück sich gab, hält einmal dieser Schlitten vor dem Grab.
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Interpretation
Das Gedicht "Fahrt ins Fextal" von Karl Kraus beschreibt eine Schlittenfahrt durch das Engadin, die als eine Art Zeitreise in die Vergangenheit erlebt wird. Der Dichter verwendet lebhafte Bilder, um die Schönheit und Magie der Winterlandschaft zu vermitteln, wie zum Beispiel den glühenden Winter und das sprühende Eis. Die Fahrt wird als ein Übergang in eine andere Welt oder einen anderen Planeten dargestellt, in der die üblichen Gesetze der Natur nicht mehr gelten. Die Schlittenfahrt wird als ein Rückzug aus der Gegenwart in eine vergangene, idyllische Welt interpretiert. Der Dichter vergleicht die Berge mit Bergkristall und beschreibt das Tal als voller alter Spiele, was eine nostalgische Stimmung erzeugt. Die Fahrt wird als ein Ausbruch aus dem Alltag und den Zwängen der Zeit dargestellt, in der die Elemente in einer harmonischen Einheit verbunden sind. Im letzten Teil des Gedichts wird die Schlittenfahrt als eine Art Vorbereitung auf den Tod interpretiert. Der Dichter beschreibt das Gleiten ins Helle als ein schwereloses Dahingleiten nach dem Tod, wobei das Glück nur eine Rast auf dem Weg zum Grab ist. Die Fahrt wird als eine Art Reinigung oder Vorbereitung auf das Ende des Lebens dargestellt, in der die Zeit keine Schmerzen mehr bereithält und das Altern durch den Schnee gemildert wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Knirschend ergab sich alle Gegenwart
- Hyperbel
- ist dies hier schon der andere Planet
- Metapher
- hält einmal dieser Schlitten vor dem Grab
- Personifikation
- Der Winter glühte und der Frost war heiß