Fährte

Maria Luise Weissmann

1929

Durch allen Tag muß ich Dich suchend gehn Und ist so viel, was rings Dich mir verheißt, Mich mit Gewißheit Deiner schimmernd speist: Ein Vogelrufen, Glanz des Golds, Kakteen,

Schnee, ach, und Geige, die gesehn Dich haben, Fahnen der blanken Städte, Windeswehn - Starbst Du in einer Sonne Untergehn? War dies Dein Schrei in wehem Spiel der Knaben?

Ich wandre durch Taifun, kristallnen Strahl der Seen, - Vielleicht, daß Dich ein Duft gefunden macht? - Durch schwarze und die silbernen Alleen,

Durch Jenen, der geweint, und Den, der lacht, - Durch allen Tag muß ich Dich suchend gehn, Zu Dir noch wandert purpurn Pfad der Nacht.

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Illustration zu Fährte

Interpretation

Das Gedicht "Fährte" von Maria Luise Weissmann handelt von einer unermüdlichen Suche nach einer geliebten Person. Die lyrische Ich-Persönlichkeit durchwandert den Tag, getrieben von der Sehnsucht, den Spuren des Geliebten zu folgen. Die Umgebung ist voller Zeichen und Symbole, die an die Abwesende erinnern: Vogelrufe, der Glanz des Golds, Kakteen, Schnee, Geigenklänge und die Fahnen der Städte. Diese Elemente werden als Hinweise interpretiert, die das Bild des Geliebten in der Erinnerung lebendig halten und die Suche nähren. Die Suche ist nicht nur eine physische, sondern auch eine emotionale und spirituelle Reise. Die lyrische Ich-Persönlichkeit durchquert extreme Landschaften wie Taifune und kristallene Seen, was die Intensität und Tiefe der Sehnsucht verdeutlicht. Die Frage nach dem Tod des Geliebten in einer untergehenden Sonne oder in den Schreien der Kindheit fügt eine tragische Dimension hinzu, die die Suche als möglicherweise vergeblich erscheinen lässt. Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer, wie den Gedanken, dass ein Duft den Geliebten finden könnte. Die Reise führt durch verschiedene Lebenssituationen und emotionale Zustände, symbolisiert durch die "schwarzen und silbernen Alleen" sowie die Menschen, die weinen und lachen. Die Suche erstreckt sich über den gesamten Tag und sogar in die Nacht hinein, wo der "purpurne Pfad" auf eine mystische oder transzendente Ebene verweist. Das Gedicht endet mit der Wiederholung des ersten Verses, was die Endlosigkeit und Beständigkeit der Suche betont. Die Fährte, die der Geliebte hinterlassen hat, ist ein unauslöschlicher Pfad, der die lyrische Ich-Persönlichkeit immer wieder zurückführt und die unerschütterliche Liebe und Hingabe zum Ausdruck bringt.

Schlüsselwörter

allen tag muß suchend gehn viel rings verheißt

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Stilmittel

Anapher
Durch allen Tag muß ich Dich suchend gehn
Bildlichkeit
Ein Vogelrufen, Glanz des Golds, Kakteen
Hyperbel
Durch Taifun, kristallnen Strahl der Seen
Kontrast
Durch Jenen, der geweint, und Den, der lacht
Metapher
Durch allen Tag muß ich Dich suchend gehn
Rhetorische Frage
Starbst Du in einer Sonne Untergehn?
Symbolik
purpurn Pfad der Nacht