Ewig

Hermann Rollett

1819

Und wieder zieht mit Duft, und Glanz Der junge Frühling ein, Und wieder macht uns trunken ganz Des Jubels Feuerwein.

Und wieder sind wir voller Lust Und froh und wolgemut; Und wieder strömt uns in die Brust Das junge Frühlingsblut.

Und doch ists nur das alte Blau, Das alte Himmelslicht, Der alte Duft, der alte Thau, Der aus den Blüten bricht.

Und ringsum nur das alte Glück, Dieselbe Herrlichkeit, Die jeder Frühling bringt zurück Seit märchendunkler Zeit.

Und wenn der Sänger, tief bewegt, Sein Lied auch wieder singt, Und höher ihm der Busen schlägt, Und Alles jubelnd klingt.

Da lauscht ihr gem dem alten Sang, Dem längstgehörten Lied, Das als verjüngter Liebesklang Euch in die Seele zieht.

Da lauscht ihr gerne fort und fort Der Lieder vollem Schwung, Denn Frühling, Lieb und Dichterwort Die bleiben ewig jung.

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Illustration zu Ewig

Interpretation

Das Gedicht "Ewig" von Hermann Rollett beschreibt die wiederkehrende Erneuerung des Frühlings und wie sie uns immer wieder aufs Neue begeistert. Der Frühling kommt mit Duft und Glanz, macht uns "trunken ganz" von seinem Jubel und erfüllt uns mit Lust und Frohsinn. Doch obwohl sich die Natur Jahr für Jahr erneuert, bleiben die Farben, Düfte und Empfindungen "das alte Blau", "das alte Himmelslicht". Die Schönheit des Frühlings ist zeitlos und wiederholt sich seit "märchendunkler Zeit". Auch die menschliche Reaktion darauf ist stets die gleiche. Der Sänger besingt die Frühlingsgefühle, sein "Busen schlägt höher" und alles klingt "jubelnd". Die Zuhörer lauschen den alten Liedern, die als "verjüngter Liebesklang" in ihre Seelen dringen. Sie lauschen "fort und fort" dem vollen Schwung der Lieder, denn Frühling, Liebe und Dichterwort bleiben "ewig jung". Die ewige Jugend von Natur und Kunst wird gefeiert. Das Gedicht vermittelt eine optimistische, lebensbejahende Stimmung. Die Wiederkehr des Frühlings schenkt immer wieder neue Hoffnung und Freude. Die zeitlose Schönheit der Natur und die Kraft der Kunst überdauern alle Zeiten. Sie spenden Trost und erinnern uns daran, dass es neben dem Vergänglichen auch das Ewige gibt. Das lyrische Ich lädt den Leser ein, sich diesem ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen, von Neuanfang und Wiederkehr bewusst hinzugeben und sich von seiner Magie verzaubern zu lassen.

Schlüsselwörter

alte frühling zieht duft junge lied lauscht fort

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Das alte Blau, / Das alte Himmelslicht
Anapher
Und wieder zieht mit Duft, und Glanz / Der junge Frühling ein, / Und wieder macht uns trunken ganz / Des Jubels Feuerwein.
Epipher
Die bleiben ewig jung.
Metapher
Des Jubels Feuerwein
Personifikation
Und wieder strömt uns in die Brust / Das junge Frühlingsblut.