Eure Kinder

Khalil Gibran

unknown

Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und er spannt euch mit seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Laßt eure Bogen von er Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein; Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

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Illustration zu Eure Kinder

Interpretation

Das Gedicht "Eure Kinder" von Khalil Gibran ist eine tiefgründige Reflexion über die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Es betont, dass Kinder nicht das Eigentum ihrer Eltern sind, sondern eigenständige Wesen mit eigenen Gedanken und Seelen. Gibran verwendet Metaphern wie den Bogen und den Pfeil, um die Rolle der Eltern zu beschreiben: Sie sind die stabilen Bogen, von denen die Kinder als lebendige Pfeile ausgeschickt werden, um ihren eigenen Weg zu gehen. Das Gedicht unterstreicht die Wichtigkeit, Kindern Freiheit und Raum für ihre eigene Entwicklung zu geben. Eltern dürfen ihre Kinder lieben und für sie sorgen, aber sie sollten ihnen nicht ihre eigenen Gedanken und Überzeugungen aufzwingen. Die Seelen der Kinder gehören der Zukunft an, einem Ort, den die Eltern nicht betreten können, nicht einmal in ihren Träumen. Dies verdeutlicht, dass Kinder ein eigenes Leben führen werden, das sich von dem ihrer Eltern unterscheidet. Gibran ermutigt die Eltern, ihre Kinder so zu akzeptieren, wie sie sind, und sie nicht zu versuchen, ihnen ähnlich zu machen. Das Leben bewegt sich vorwärts und verweilt nicht in der Vergangenheit. Die Eltern sind aufgefordert, flexibel und unterstützend zu sein, damit ihre Kinder ihr volles Potenzial entfalten können. Am Ende des Gedichts wird die Idee vermittelt, dass Eltern und Kinder beide vom "Schützen" – einem Symbol für das Leben oder die göttliche Kraft – geliebt werden. Die Eltern sollten ihre Rolle mit Freude erfüllen, da sie genauso wichtig sind wie die Kinder selbst.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Ihre Seelen wohnen im Haus von morgen.
Gegensatz
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Hyperbel
Das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit.
Metapher
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Parallelismus
Laßt eure Bogen von er Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein.
Personifikation
Das Leben läuft nicht rückwärts noch verweilt es im Gestern.