Euch, o Grazien...
1749Euch, o Grazien, legt die wenigen Blätter ein Dichter Auf den reinen Altar, Knospen der Rose dazu, Und er tut es getrost. Der Künstler freuet sich seiner Werkstatt, wenn sie um ihn immer ein Pantheon scheint. Jupiter senket die göttliche Stirn, und Juno erhebt sie; Phöbus schreitet hervor, schüttelt das lockige Haupt; Trocken schauet Minerva herab, und Hermes, der leichte, Wendet zur Seite den Blick, schalkisch und zärtlich zugleich. Aber nach Bacchus, dem weichen, dem träumenden, hebet Cythere Blicke der süßen Begier, selbst in dem Marmor noch feucht. Seiner Umarmung gedenket sie gern und scheinet zu fragen: »Sollte der herrliche Sohn uns an der Seite nicht stehn?«
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Interpretation
Das Gedicht "Euch, o Grazien..." von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die Verehrung des Dichters für die Grazien, die Göttinnen der Anmut und Schönheit. Der Dichter legt einige Blätter und Rosenknospen als Opfergabe auf einen reinen Altar nieder, um seine Bewunderung auszudrücken. Er tut dies mit Zuversicht und Freude, da er sich in seiner Werkstatt wie in einem Pantheon fühlt, umgeben von den Göttern der griechischen Mythologie. Der zweite Teil des Gedichts stellt die Götter vor, die den Dichter in seiner Werkstatt begleiten. Jupiter senkt seine göttliche Stirn, während Juno sie erhebt. Phöbus tritt vor und schüttelt sein lockiges Haupt. Minerva blickt streng herab, und Hermes, der leichte Gott, wirft einen schalkhaften und zugleich zärtlichen Seitenblick. Bacchus, der Gott des Weins und der Träume, wird von Cythere, der Göttin der Liebe, mit süßer Begierde angesehen, selbst im Marmor noch feucht. Sie erinnert sich an seine Umarmung und scheint zu fragen, warum der herrliche Sohn nicht an ihrer Seite steht. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre der Verehrung und Bewunderung für die Schönheit und die göttlichen Wesen. Es zeigt die tiefe Verbundenheit des Dichters mit der antiken Mythologie und seine Sehnsucht nach Inspiration und künstlerischer Schöpfung. Die Anwesenheit der Götter in der Werkstatt des Dichters symbolisiert die Muse, die ihn bei seiner Arbeit begleitet und inspiriert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Euch, o Grazien, legt die wenigen Blätter ein Dichter
- Bildsprache
- Phöbus schreitet hervor, schüttelt das lockige Haupt
- Metapher
- wenn sie um ihn immer ein Pantheon scheint
- Personifikation
- Jupiter senket die göttliche Stirn, und Juno erhebt sie
- Rhetorische Frage
- Sollte der herrliche Sohn uns an der Seite nicht stehn?
- Vergleich
- selbst in dem Marmor noch feucht