Es liegt an eines Menschen Schmerz

August von Platen

1834

Es liegt an eines Menschen Schmerz, an eines Menschen Wunde nichts, Es kehrt an das, was Kranke quält, sich ewig der Gesunde nichts! Und wäre nicht das Leben kurz, das stets der Mensch vom Menschen erbt, So gäb′s Beklagenswerteres auf diesem weiten Runde nichts! Einförmig stellt Natur sich her, doch tausendförmig ist ihr Tod, Es fragt die Welt nach meinem Ziel, nach deiner letzten Stunde nichts; Und wer sich willig nicht ergiebt dem ehrnen Lose, das ihm dräut, Der zürnt ins Grab sich rettungslos und fühlt in dessen Schlunde nichts; Dies wissen Alle, doch vergißt es Jeder gerne jeden Tag, So komme denn, in diesem Sinn, hinfort aus meinem Munde nichts! Vergeßt, daß euch die Welt betrügt, und daß ihr Wunsch nur Wünsche zeugt, Laßt eurer Liebe nichts entgehn, entschlüpfen eurer Kunde nichts! Es hoffe Jeder, daß die Zeit ihm gebe, was sie Keinem gab, Denn Jeder sucht ein All zu sein und Jeder ist im Grunde nichts.

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Interpretation

Das Gedicht "Es liegt an eines Menschen Schmerz" von August von Platen thematisiert die Gleichgültigkeit der Welt gegenüber individuellem Leid und die Vergänglichkeit des Lebens. Es beginnt mit der Feststellung, dass das Leiden eines Einzelnen für die Gesunden bedeutungslos ist, und betont, dass das Leben, das der Mensch vom Menschen erbt, kurz ist. Diese Kürze des Lebens macht das Leiden erträglich, da es keine größere Tragödie auf dieser Welt gibt. Die Natur wird als eintönig beschrieben, aber der Tod ist vielfältig, und die Welt interessiert sich nicht für das individuelle Ziel oder die letzte Stunde eines Menschen. Wer sich nicht dem Schicksal ergibt, wird im Grab zürnen und nichts fühlen. Der Dichter betont, dass jeder diese Wahrheiten kennt, sie aber gerne jeden Tag vergisst. Er fordert dazu auf, die Täuschungen der Welt und die fruchtlosen Wünsche zu vergessen und die Liebe voll auszuleben, ohne etwas entgehen zu lassen. Jeder hofft, dass die Zeit ihm geben wird, was sie niemandem gegeben hat, da jeder danach strebt, alles zu sein, aber im Grunde nichts ist. Das Gedicht reflektiert die menschliche Existenz als vergänglich und bedeutungslos im großen Ganzen, aber es ermutigt dazu, das Leben trotzdem voll auszukosten und die Liebe zu zelebrieren.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Und wer sich willig nicht ergiebt
Anapher
Es liegt an eines Menschen Schmerz, an eines Menschen Wunde nichts, Es kehrt an das, was Kranke quält, sich ewig der Gesunde nichts!
Ironie
Es fragt die Welt nach meinem Ziel, nach deiner letzten Stunde nichts
Kontrast
Einförmig stellt Natur sich her, doch tausendförmig ist ihr Tod
Metapher
Wer sich willig nicht ergiebt dem ehrnen Lose, das ihm dräut
Paradox
Denn Jeder sucht ein All zu sein und Jeder ist im Grunde nichts