Es kommt der Abend
1869Es kommt der Abend und ich tauche in die Sterne, dass ich den Weg zur Heimat im Gemüte nicht verlerne, umflorte sich auch längst mein armes Land.
Es ruhen unsere Herzen liebverwandt, gepaart in einer Schale: Weiße Mandelkerne -
… Ich weiß, du hältst wie früher meine Hand verwunschen in der Ewigkeit der Ferne… Ach meine Seele rauschte, als dein Mund es mir gestand.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Es kommt der Abend" von Else Lasker-Schüler thematisiert Sehnsucht und Verbundenheit. Die Abenddämmerung symbolisiert einen Übergangszustand, in dem der lyrische Ich sich in die Sterne versenkt, um die Verbindung zur Heimat nicht zu verlieren. Die Heimat erscheint hier als ein verlorenes, "armes Land", das sich längst mit Unkraut überwuchert hat, was auf eine tiefe Veränderung oder den Verlust der vertrauten Welt hindeutet. Die zweite Strophe vermittelt eine tiefe emotionale Verbundenheit. Die Herzen sind "liebverwandt" und ruhen "gepaart in einer Schale", was eine enge, fast symbiotische Beziehung andeutet. Die "weißen Mandelkerne" können als Symbole für Reinheit, Unschuld oder auch für verborgenes Potenzial interpretiert werden. Die Verbundenheit ist so stark, dass sie die räumliche Distanz überwindet. Im letzten Teil des Gedichts wird die tiefe emotionale Bindung durch die Vorstellung verstärkt, dass die Hand des Geliebten wie früher gehalten wird, "verwunschen in der Ewigkeit der Ferne". Die Ferne wird hier nicht als Hindernis, sondern als magischer, verzauberter Zustand dargestellt. Die abschließende Zeile, in der die Seele des lyrischen Ichs rauscht, als der Mund des Geliebten etwas gesteht, deutet auf eine tiefe, möglicherweise verborgene Wahrheit oder ein Geständnis hin, das das lyrische Ich tief berührt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- verwunschen in der Ewigkeit der Ferne
- Metapher
- Weiße Mandelkerne
- Personifikation
- meine Seele rauschte