Es ist genug

Klabund

1928

Es ist genug. Mein trübes Licht Bereit′ sich zu erlöschen. Ich hab′ vertan mein Recht und Pflicht Und meiner Seel′ vergessen.

Es ist genug. Es weht ein Wind, Weht nicht von Ost nach Norden. Auf der Milchstraße wandert ein weißes Kind, Ist nicht geboren worden.

Du über den Häusern heller Schein, Wovon bist du so helle? Stehst du um die Stirn einer Jungfrau rein Oder brennt ein Sünder zur Hölle?

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Interpretation

Das Gedicht "Es ist genug" von Klabund ist ein tiefgründiges Werk, das sich mit Themen wie Lebensmüdigkeit, Selbstreflexion und der Suche nach Erlösung auseinandersetzt. Die wiederholte Zeile "Es ist genug" deutet auf eine Art Resignation oder Erschöpfung hin, die der Sprecher empfindet. Das "trübe Licht" symbolisiert möglicherweise das Leben des Sprechers, das sich dem Ende zuneigt und Erlösung sucht. Im zweiten Vers betont der Sprecher, dass er seine Pflichten und Rechte vernachlässigt hat und seine Seele vergessen hat. Dies könnte als eine Art Selbstkritik interpretiert werden, bei der der Sprecher sein Leben als verschwendet ansieht. Der Wind, der nicht von Ost nach Norden weht, könnte als Symbol für Veränderung oder Unberechenbarkeit dienen, während das "weiße Kind" auf der Milchstraße, das nie geboren wurde, möglicherweise für unerfüllte Hoffnungen oder Träume steht. Im dritten Vers richtet sich der Sprecher an eine unbestimmte "helle" Entität, die über den Häusern steht. Die Frage, ob diese Entität um die Stirn einer reinen Jungfrau steht oder ob ein Sünder zur Hölle brennt, deutet auf eine Suche nach Erlösung oder Vergebung hin. Es könnte sich um eine metaphorische Darstellung des Jüngsten Gerichts handeln, bei dem der Sprecher seine eigene Sündhaftigkeit und die Möglichkeit der Erlösung in Frage stellt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Stimmung der Melancholie und Selbstreflexion, während es gleichzeitig nach Antworten auf existenzielle Fragen sucht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Stehst du um die Stirn einer Jungfrau rein
Anapher
Es ist genug.
Antithese
Es weht ein Wind, Weht nicht von Ost nach Norden.
Hyperbel
Auf der Milchstraße wandert ein weißes Kind
Metapher
Mein trübes Licht
Personifikation
Es weht ein Wind
Rhetorische Frage
Wovon bist du so helle?