Es ist ein Schnitter, heißt der Tod

Unbekannt

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Es ist ein Schnitter, heißt der Tod, hat Gwalt vom großen Gott. Heut wetzt er das Messer, es geht schon viel besser, bald wird er drein schneiden, wir müssen’s nur leiden. Hüt dich, schöns Blümelein!

Was jetzt noch grün und frisch dasteht, wird morgen weg gemäht: die edel Narzissel, die englische Schlüssel, die schön Hyazinth, der Türkische Bünd: Hüt dich, schöns Blümelein!

Viel hunderttausend ungezählt, da unter die Sichel hinfällt: rot Rosen, weiß Lilien, beid wird er austilgen; ihr Kaiserkronen, man wird euch nicht schonen: Hüt dich, schöns Blümelein!

So viel Maß-Lieb und Roßmarin schwelgt unter der Sichel dahin; und Vergißmein nit, auch du mußt noch mit; sinkt alles zur Erden, was wird nur draus werden? Hüt dich, schöns Blümelein!

Der auserlesene Majeran, das zornige Rühr mich nit an, auch du Tausendschön, man läßt dich nicht stehn, es hilft da kein Bitten, heut werd ihr abschnitten. Hüt dich, schöns Blümelein!

Es macht so gar kein Unterschied, geht alles in einem Schnitt: der stolz Rittersporn und Blumen von Korn, da liegens beisammen, man weiß kaum den Namen. Hüt dich, schöns Blümelein!

Und wenn sie nun sind schnitten ab, so heißen sie alle Schabab, ach wie sie da liegen, als wärens in Zügen bald werden sie bleichen, all’s Schöne muß weichen. Hüt dich schöns Blümelein!

Trutz Tod, komm her, ich fürcht dich nit, komm her und tu ein Schnitt! Wenn er mich verletzet, so werd ich versetzet, ich will es erwarten, in himmlischen Garten. Hüt dich, schöns Blümelein!

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Illustration zu Es ist ein Schnitter, heißt der Tod

Interpretation

Das Gedicht "Es ist ein Schnitter, heißt der Tod" von Unbekannt ist eine düstere Betrachtung über die Vergänglichkeit des Lebens und die unausweichliche Macht des Todes. Der Tod wird als Schnitter personifiziert, der mit einem Messer bewaffnet ist und alle Lebensformen gleichmäßig erfasst. Das Gedicht beschreibt, wie der Tod alle Arten von Blumen, symbolisch für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Stellung, ohne Unterschied erfasst. Es wird betont, dass weder Reichtum noch Schönheit vor dem Tod schützen können. Die wiederkehrende Warnung "Hüt dich, schöns Blümelein!" unterstreicht die Bedrohlichkeit und die Unausweichlichkeit des Todes. Im letzten Abschnitt wendet sich das Gedicht dem Glauben an das Leben nach dem Tod zu. Der Sprecher trotzt dem Tod und zeigt sich bereit, den Übergang in den "himmlischen Garten" zu akzeptieren. Dies verleiht dem Gedicht eine gewisse Hoffnung und zeigt, dass der Glaube an ein Leben nach dem Tod Trost spenden kann. Insgesamt ist das Gedicht eine eindringliche Mahnung an die Vergänglichkeit des Lebens und die Gleichheit aller Menschen vor dem Tod, aber auch eine Ermutigung, den Tod mit Mut und Glauben zu begegnen.

Schlüsselwörter

hüt schöns blümelein viel nit tod heut geht

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
schnitten ab, so heißen sie alle Schabab
Anapher
Hüt dich, schöns Blümelein!
Hyperbel
Viel hunderttausend ungezählt
Kontrast
der stolz Rittersporn und Blumen von Korn
Metapher
Es ist ein Schnitter, heißt der Tod
Parallelismus
rot Rosen, weiß Lilien
Personifikation
Heut wetzt er das Messer
Reimschema
Gedicht folgt einem konsistenten Reimschema
Symbolik
Narzissel, Hyazinth, Vergißmein