Es ist alles eitel
1637Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese sein, Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden;
Was jetzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden; Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein; Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein. Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn. Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn? Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind, Als eine Wiesenblum, die man nicht wieder find′t! Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
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Interpretation
Das Gedicht "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius beschreibt die Vergänglichkeit und Eitelkeit aller irdischen Dinge. Es verdeutlicht, dass das, was heute noch existiert und bewundert wird, morgen schon wieder verschwunden oder zerstört sein kann. Gryphius nutzt hierfür Beispiele wie Städte, die zu Wiesen werden, und prachtvolle Blüten, die zertreten werden. Er betont, dass nichts ewig währt und selbst das, was heute noch stark und mächtig erscheint, morgen schon zu Asche und Knochen zerfallen sein kann. Gryphius stellt die Vergänglichkeit allen menschlichen Strebens und Handelns dar. Er sagt, dass der Ruhm großer Taten wie ein Traum vergehen wird und fragt, ob das vergängliche Spiel der Zeit und der leichte Mensch bestehen können. Der Dichter kritisiert die menschliche Neigung, vergängliche Dinge für kostbar und wertvoll zu halten, obwohl sie in Wirklichkeit nur "schlechte Nichtigkeit", Schatten, Staub und Wind sind. Abschließend vergleicht Gryphius die vergänglichen Dinge mit einer Wiesenblume, die man nicht wiederfindet. Er bedauert, dass die Menschen nicht das betrachten wollen, was ewig ist. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefsinnige Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Eitelkeit menschlicher Bestrebungen, während es gleichzeitig dazu aufruft, das wirklich Ewig-Währende zu erkennen und zu schätzen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein
- Bildlichkeit
- Als eine Wiesenblum, die man nicht wieder find't!
- Hyperbel
- Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
- Kontrast
- Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
- Metapher
- Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
- Personifikation
- Jetzt lacht das Glück uns an
- Symbolik
- Ein Schäferskind wird spielen mit den Herden