Erwuenschte Nacht Ihr angenehmer Schatten

Christian Friedrich Hunold

1706

Erwünschte Nacht! Ihr angenehmer Schatten! Was für ein Strahl umzircket mein Gezehlt? Will sich mit mir noch eine Sonne gatten, Die sich anitzt zu meinem Bette stellt? Ach Engels-Kind sei tausendmahl willkommen, Wie bin ich doch so unverhofft beglückt? Wo hast du denn die Gnade hergenommen, Dass deine Brust noch meinen Geist erquickt? Komm lege dich auf dieses sanfte Kissen, Hier findest du der Liebe Sammel-Platz. Dein Zucker soll mir alle Qual versüßen Vergnüge mich du auserwählter Schatz. Umarme doch mit wollen weichen Händen Den heißen Leib, der sich nach Kühlung sehnt, Erhebe dich mit deinen zarten Lenden Schau wie die Lust schon alle Glieder dehnt. Es sind mein Kind zwar allzu enge Schranken, Allein es geht mit süßem Zwang hinein, Ach Zucker-Kost der kitzlenden Gedanken, Dabei das Mark muss ausgezehret sein. Ach lass uns doch die Freude recht genießen Bemühe dich und förder ihren Lauf. Jetzt wird sich gleich der süße Tau ergießen Ach Kind! Ach Schatz! Tu deine Muschel auf. Nur noch einmal. – Wie bist du gar verschwunden? Verfluchter Traum, der mich so sehr betrügt! Wo bleiben nun die anmutsvollen Stunden? Wo ist mein Schatz, der mir in Armen liegt? Ach alles ist nur Phantasie zu nennen! Die führt mich oft auf diese falsche Bahn. Ach Schönste soll ich stets vergebens brennen? Was hat dir doch dein treuer Knecht getan. Ich seufze zwar, alleine ganz vergebens, Was hilft die Nacht, wenn mich die Sonne quält. Ich sehe schon das Ende meines Lebens, Wo mich dein Strahl der Liebe nicht beseelt.

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Illustration zu Erwuenschte Nacht Ihr angenehmer Schatten

Interpretation

Das Gedicht "Erwuenschte Nacht Ihr angenehmer Schatten" von Christian Friedrich Hunold beschreibt die Sehnsucht und Leidenschaft eines Liebenden nach einer ersehnten Nacht. Die Nacht wird als Schatten dargestellt, der den Sprecher umgibt und ihm Trost spendet. Die Sonne, die sich als Gatte bezeichnet, tritt als störendes Element auf und wird als Quelle der Qual empfunden. Der Sprecher sehnt sich nach der Anwesenheit eines Engelskindes, das ihm unerwartet Glück bringt. Er bittet das Engelchen, sich auf sein sanftes Kissen zu legen und ihn mit seiner Süße zu trösten. Die Liebe wird als Sammelplatz dargestellt, an dem sich die beiden Liebenden vereinen können. Die Lust wird als treibende Kraft beschrieben, die alle Glieder dehnt und den Sprecher nach Kühlung sehnen lässt. Das Gedicht endet mit einer bitteren Enttäuschung, als der Sprecher erkennt, dass alles nur ein Traum war. Er verflucht den Traum, der ihn so sehr betrogen hat, und fragt sich, ob er immer vergebens brennen wird. Die Nacht wird als nutzlos empfunden, wenn die Sonne den Sprecher quält. Er sieht das Ende seines Lebens kommen, wenn der Strahl der Liebe ihn nicht mehr beseelt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Wo mich dein Strahl der Liebe nicht beseelt
Personifikation
Was für ein Strahl umzircket mein Gezehlt?