Erwachen
1885Einen weißen Federflaum Fand am Fenster ich den Morgen, Als der Tag aus wirrem Traum Mich erweckt zu süßen Sorgen.
Und ich blick′ erstaunt hinauf An den frischen Morgenhimmel, Sehe dort in leisem Lauf Ziehn der Wolken leicht Gewimmel.
Ja, sie ziehn in breitem Zug Zwischen mir und jener Gegend. - Ist es Wahrheit? Ist es Trug? Sind′s nicht Schwäne flügelregend?
Ist mein Liebchen gar vielleicht Solch ein heimlich Zauberwesen, Das als Schwan die Luft durchstreicht, Wie in Märchen ich gelesen?
Schön in menschlicher Gestalt, Hat sie traut besucht mich gestern, Nachts in Zauberbanns Gewalt Schwärmt sie mit den Schwanenschwestern.
Fliegt bis an mein Fensterbrett, Putzt das weiße Schwangefieder, Während einsam ich im Bett, Wälze sondern Ruh die Glieder.
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Interpretation
Das Gedicht "Erwachen" von Wilhelm Arent beschreibt einen Moment der Verwirrung und des Staunens, der sich beim Erwachen des lyrischen Ichs einstellt. Die Entdeckung eines weißen Federflaum am Fenster löst eine Kette von Gedanken und Assoziationen aus, die zwischen Realität und Fantasie schwanken. Das Ich fragt sich, ob die Wolken am Himmel nicht vielleicht Schwäne sind, die mit ihren Flügeln den Himmel durchziehen. Diese Idee führt zu der Vorstellung, dass die Geliebte des lyrischen Ichs ein magisches Wesen sein könnte, das sich nachts in einen Schwan verwandelt und mit anderen Schwanenschwestern durch die Luft zieht. Das Gedicht spielt mit der Ambivalenz zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen rationalem Zweifel und irrationaler Sehnsucht. Das Ich ist hin- und hergerissen zwischen der Frage, ob es sich bei den Schwänen um eine Wahrheit oder einen Trug handelt, und der Hoffnung, dass die Geliebte ein zauberhaftes Wesen ist. Die Erwähnung von Märchen und Zauberbanns unterstreicht die märchenhafte und romantische Stimmung des Gedichts, in der die Grenzen zwischen der realen Welt und der Welt der Phantasie verschwimmen. Das Ende des Gedichts verstärkt die Sehnsucht und das Unbehagen des lyrischen Ichs. Während die Geliebte als Schwan bis ans Fensterbrett fliegt und ihr weißes Gefieder putzt, liegt das Ich einsam im Bett und wälzt sich unruhig hin und her. Diese Gegenüberstellung von der Freiheit und Schönheit der Schwäne und der Gefangenschaft und Unruhe des Menschen verstärkt das Gefühl der Sehnsucht und des Verlangens nach einer Verbindung, die jenseits der Grenzen der menschlichen Existenz liegt. Das Gedicht endet mit einer offenen Frage, ob die Geliebte wirklich ein magisches Wesen ist oder nicht, und lässt den Leser in demselben Zustand der Verwirrung und des Staunens zurück wie das lyrische Ich.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Ziehn der Wolken leicht Gewimmel
- Metapher
- Als der Tag aus wirrem Traum / Mich erweckt zu süßen Sorgen
- Rhetorische Frage
- Ist es Wahrheit? Ist es Trug?
- Vergleich
- Sind's nicht Schwäne flügelregend?