Erwachen
1818Bricht dein strahlendes Auge Entzückt und bebend, Wie wallender Saitenton, Der gebannt an der Lyra Sinnend geschlummert, Empor durch den Schleier Urheiliger Nacht, Dann blitzen von oben Ewige Sterne Liebend hinein.
Du versinkest bebend, Es klopft dein Busen, Du schaust unendliche Ewige Welten, Über dir, unter dir, Unerfassbar, unendbar, Schwebend im Reihentanz Rastloser Ewigkeit, Und ein Atom Versinkst du im Weltall.
Dein Erwachen Ist unendliches Aufgehn, Dein Aufgehn Ewiger Fall.
Schlägt deiner Seele Rieselnde Flamme In die eigene Tiefe, In den Busen zurück, Dann taucht unabgrenzbar, Von Geistern gehoben, Getragen von süßem Schwellendem Zauberton, Der Seele Geheimnis Empor aus der Seele Dämonischem Abgrund.
Dein Untersinken Ist unendliches Aufgehn, Dein unendliches Aufgehn, Ist mit bebenden Lippen, Vom Äther geröteter, Flammender, ewiger Liebkuss der Gottheit.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Erwachen" von Karl Marx beschreibt einen Prozess der spirituellen und intellektuellen Erleuchtung. Es beginnt mit dem Aufblitzen eines strahlenden Auges, das wie ein Saitenton emporsteigt und durch den Schleier der Nacht bricht. Dies symbolisiert den Moment des Erwachens, in dem der Betrachter einen Blick auf die ewigen Sterne und die unendlichen Welten wirft. Das Erwachen wird als ein unendliches Aufgehen beschrieben, das jedoch auch einen ewigen Fall beinhaltet, was auf die Vergänglichkeit und die Unendlichkeit des Lebens hinweist. Im zweiten Teil des Gedichts taucht die Seele in ihre eigene Tiefe ein, und eine rieselnde Flamme schlägt zurück in den Busen. Dies symbolisiert die innere Reise der Seele, die von Geistern gehoben und von süßem Zauberton getragen wird. Die Seele steigt aus ihrem dämonischen Abgrund empor und entdeckt ihr eigenes Geheimnis. Das Untersinken wird erneut als ein unendliches Aufgehen beschrieben, das mit bebenden Lippen und einem flammenden, ewigen Liebkuss der Gottheit endet. Dies deutet auf eine Verschmelzung mit dem Göttlichen hin, die den Zyklus des Erwachens und des Untersinkens vollendet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Vision von der Einheit des Individuums mit dem Kosmos und dem Göttlichen. Es beschreibt den Prozess des Erwachens als eine Reise durch die Tiefen der Seele und des Universums, die zu einer Erkenntnis der eigenen Unendlichkeit und der ewigen Natur des Seins führt. Das Gedicht lädt den Leser ein, sich auf diese spirituelle Reise zu begeben und die Geheimnisse des Lebens und der Existenz zu erkunden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegenüberstellung
- Dein Untersinken Ist unendliches Aufgehn, Dein unendliches Aufgehn
- Hyperbel
- Du schaust unendliche Ewige Welten
- Metapher
- Flammender, ewiger Liebkuss der Gottheit
- Personifikation
- Von Geistern gehoben