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Erste Sonne

Von

Wie gerne lass′ ich von der ersten Sonne
Mich bescheinen! – Wenn der Januar
Mit seiner Atemzüge Eishauch wich
Wenn in der Monde Schnur die zweite Perle
Sich übertropfen läßt von Goldreflexen
Der Winternebel Vorhang in zwei Stücke
Geborsten ist … und ihrer Gnaden Truhe
Nach träumerischer Rast die Sonne leert
Den ganzen Köcher ihrer funkelnden Pfeile:
Wie gerne lass′ ich mich von dieser Sonne,
Von dieser Sonne sanft verkühltem Licht
Bescheinen! Leise kommt auf leichten Sohlen
Ein Sinnen über mich … ein dunkles Suchen
Und doch, wie so klar und wunschlos still …
All′ Winterunrast hab′ ich abgetan
Als schritte ich auf Wolken, treib′ ich hin …
Die Augen halb geschlossen … seltsam müde
Und an den Sonnenstrahl, der mich berührt …
Leise, ganz leise meine Wange streift,
Möcht′ ich mich lehnen … und in seiner Goldspur
Verdämmern lassen meiner Seele Leben …

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Erste Sonne von Hermann Conradi

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Erste Sonne“ von Hermann Conradi fängt eine Stimmung des Aufbruchs und der stillen Kontemplation ein, die durch die ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Winter ausgelöst wird. Der Dichter beschreibt ein Gefühl der Sehnsucht, die von der Kälte und dem Nebel des Winters hin zu einem Zustand der Ruhe und des Einsseins mit der Natur führt. Die ersten Zeilen etablieren die Freude über die Sonnenstrahlen, die den Autor bescheinen, und markieren den Übergang von der Kälte des Januars zu einem Moment der Erneuerung.

Die Bildsprache ist reich und sinnlich, wobei der Autor vor allem auf visuelle und taktile Elemente setzt. Der Nebel wird als „Vorhang“ beschrieben, der „bersten“ und die Sonne als „Gnaden Truhe“ dargestellt, die „funkelnde Pfeile“ ausschüttet. Dies erzeugt ein lebhaftes Bild von Licht und Wärme, das im Kontrast zur Tristesse des Winters steht. Der Gebrauch von Adjektiven wie „sanft verkühlt“ und der Vergleich mit dem „Goldreflexen“ der Sonne erzeugt eine Atmosphäre der Ruhe und des sanften Glücks, welches die Winterunruhe vertreibt.

Im weiteren Verlauf des Gedichts verschiebt sich der Fokus von der äußeren Welt zur inneren Erfahrung des Sprechers. Es entwickelt sich ein Gefühl des „dunklen Suchens“, das jedoch durch die Klarheit und die „wunschlose Stille“ abgemildert wird. Die Zeilen drücken ein Gefühl des Loslassens und der Hingabe aus, als würde der Autor auf Wolken schweben und sich dem Sonnenstrahl anvertrauen. Diese Stimmung der Selbstvergessenheit und des Friedens wird durch das sanfte „Lehnen“ an den Sonnenstrahlen und dem Wunsch, in ihrem „Goldspur“ zu „verdämmern“, verstärkt.

Conradis Gedicht ist somit ein Ausdruck der Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, der durch die erste Sonne des Jahres geweckt wird. Es ist eine Ode an die Natur und die transformative Kraft des Lichts, das die Seele berühren und zur Ruhe bringen kann. Die Verwendung einfacher, doch aussagekräftiger Worte und die eindringliche Bildsprache machen das Gedicht zu einem tiefgründigen und berührenden Erlebnis.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.