Erste Silbe
unknownDer Erde schenk′ ich tiefen Frieden, Breit′ ich den weiten Mantel aus. Ein luftig Haus steht mir im Süden, Im Norden steht mein festes Haus.
Ergreifend ist mein stilles Schweigen, Entzückend ist mein stilles Licht, Ein falscher Schein soll mich verscheuchen, Vertreiben kann er doch mich nicht.
Oft flieht der Schlaf in meiner Nähe, Oft bring′ ich Müden Trost und Ruh′, Oft schärf′ ich peinlich Leid und Wehe, Oft drück′ ich wunde Augen zu.
Mein Reich hat viele Untertanen Vom Vogel bis zum Schmetterling, Die wandeln still auf meinen Bahnen, Die ich auf Lebenszeit umfing.
Heut bin ich leise weggeschlichen, Ich wiegte dich in süßen Traum, Dir wohlzutun bin ich entwichen Und lasse andern Freunden Raum.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Erste Silbe" von Marianne von Willemer ist eine poetische Darstellung der Nacht. Die Nacht wird als eine sanfte und beruhigende Kraft beschrieben, die Frieden und Ruhe bringt. Sie wird als eine Gestalt mit zwei Häusern dargestellt, einem luftigen im Süden und einem festen im Norden, was ihre Allgegenwart und Stabilität symbolisiert. Die Nacht wird als etwas beschrieben, das sowohl still als auch leuchtend ist, was ihre mysteriöse und doch tröstliche Natur unterstreicht. Trotz der Tatsache, dass sie manchmal durch falsche Scheinwerfer vertrieben wird, bleibt sie standhaft und kehrt immer wieder zurück. Sie ist eine Quelle des Trostes für die Müden und lindert Schmerz und Leid, indem sie wunde Augen schließt. Das Gedicht endet mit der Nacht, die sich leise entfernt, nachdem sie den Leser in einen süßen Traum gewiegt hat. Dies zeigt die fürsorgliche und nährende Natur der Nacht, die immer da ist, um Trost und Ruhe zu bringen. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Wertschätzung für die Nacht und ihre beruhigenden und heilenden Eigenschaften.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Antithese
- Oft schärf' ich peinlich Leid und Wehe, Oft drück' ich wunde Augen zu.
- Gegenüberstellung
- Oft flieht der Schlaf in meiner Nähe, Oft bring' ich Müden Trost und Ruh'.
- Kontrast
- Ergreifend ist mein stilles Schweigen, Entzückend ist mein stilles Licht.
- Metapher
- Heut bin ich leise weggeschlichen, Ich wiegte dich in süßen Traum.
- Personifikation
- Dir wohlzutun bin ich entwichen Und lasse andern Freunden Raum.
- Symbolik
- Ein falscher Schein soll mich verscheuchen, Vertreiben kann er doch mich nicht.