Erste Liebe

Gustav Benjamin Schwab

1814

Wo bist du, Zeit der Plage, Der ungestillten Lust? Ruhst du, o Glut und Klage? Wirst du so mild, Verlust?

Die Sonne schon im Sinken Verkläret ihren Schein, Die Bäum′ und Büsche winken Die Quellen flüstern drein.

Und schon erwachst du wieder, Du erstes Lieb′sgefühl, Ihr reinen Jugendlieder, Du frommes Bilderspiel!

O Hoffnung, nicht Verlangen! O Sehnsucht, nicht Begier! Ein Beten und ein Bangen Scheu vor der Himmelstür.

Ein Ja aus allen Trieben, Und wieder keusches Nein; Das ist das erste Lieben, Das erste muss es sein!

Das ist die Lieb′ auf Erden In halber Kinderzeit; Erfüllet wird sie werden In jener Herrlichkeit.

Verlieren und Entsagen, Das macht auf Erden reich: Das Finden und Erjagen Ist für das Himmelreich.

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Illustration zu Erste Liebe

Interpretation

Das Gedicht "Erste Liebe" von Gustav Benjamin Schwab beschäftigt sich mit den Gefühlen und Erfahrungen der ersten Liebe. Der Dichter reflektiert über die Intensität und die gemischten Emotionen, die diese erste Liebe begleiten. Er beschreibt die Sehnsucht, die Reinheit und die Unschuld, die in dieser Zeit der Jugend präsent sind. Das Gedicht beginnt mit Fragen nach der Vergangenheit und der Intensität der Gefühle. Der Dichter fragt sich, ob die Zeit der "Plage" und der "ungestillten Lust" vorbei ist und ob die Glut und Klage milder geworden sind. Die zweite Strophe beschreibt die natürliche Umgebung, die von Sonnenuntergang, winkenden Bäumen und flüsternden Quellen geprägt ist. Diese Naturbilder symbolisieren die Schönheit und Ruhe, die in der ersten Liebe zu finden sind. In der dritten Strophe erwacht die erste Liebe wieder zum Leben. Der Dichter preist die Reinheit und Unschuld der Jugendlieder und das fromme Bilderspiel, das mit der ersten Liebe einhergeht. Er betont die Hoffnung und Sehnsucht, die in dieser Zeit präsent sind, und beschreibt sie als ein Beten und Bangen vor der Himmelstür. Die vierte Strophe verdeutlicht die Ambivalenz der ersten Liebe, die aus einem Ja aus allen Trieben und einem keuschen Nein besteht. Der Dichter betont, dass dies das erste Lieben sein muss, das auf Erden in der halben Kinderzeit stattfindet. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass das erste Lieben auf Erden erfüllt werden wird in der Herrlichkeit des Himmels. Der Dichter betont, dass Verlieren und Entsagen auf Erden reich machen, während Finden und Erjagen für das Himmelreich bestimmt sind. Das Gedicht vermittelt somit die Idee, dass die erste Liebe eine tiefe und transformative Erfahrung ist, die den Menschen auf ihrem spirituellen Weg begleitet.

Schlüsselwörter

lieb erste erden zeit plage ungestillten lust ruhst

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Stilmittel

Anapher
Wo bist du, Zeit der Plage, / Der ungestillten Lust? / Ruhst du, o Glut und Klage? / Wirst du so mild, Verlust?
Gegensatz
Verlieren und Entsagen, / Das macht auf Erden reich: / Das Finden und Erjagen / Ist für das Himmelreich.
Metapher
O Hoffnung, nicht Verlangen! / O Sehnsucht, nicht Begier!
Parallelismus
Ein Ja aus allen Trieben, / Und wieder keusches Nein;
Personifikation
Die Bäume und Büsche winken / Die Quellen flüstern drein.