Erstarrung
1822Ich such im Schnee vergebens Nach ihrer Tritte Spur, Hier, wo wir oft gewandelt Selbander durch die Flur.
Ich will den Boden küssen, durchdringen Eis und Schnee Mit meinen heißen Thränen, Bis ich die Erde seh.
Wo find ich eine Blüthe Wo find ich grünes Gras? Die Blumen sind erstorben, Der Rasen sieht so blaß.
Soll denn kein Angedenken Ich nehmen mit von hier? Wenn meine Schmerzen schweigen, Wer sagt mir dann von ihr?
Mein Herz ist wie erstorben, Kalt starrt ihr Bild darin: Schmilzt je das Herz mir wieder, Fließt auch das Bild dahin
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Interpretation
Das Gedicht "Erstarrung" von Wilhelm Müller handelt von einem verzweifelten Versuch, die Spuren einer verlorenen Liebe in der winterlichen Landschaft zu finden. Der Sprecher durchsucht den Schnee vergeblich nach den Fußspuren seiner Geliebten, die sie einst gemeinsam beschritten haben. Die Kälte und Leere der Umgebung spiegeln seinen inneren Zustand wider. In den folgenden Strophen versucht der Sprecher, durch seine Tränen das Eis und den Schnee zu durchdringen, um die Erde zu erblicken. Er sucht vergeblich nach einer Blüte oder grünem Gras, da die Blumen gestorben sind und der Rasen blass aussieht. Die winterliche Natur symbolisiert die Erstarrung seiner Gefühle und die Unfähigkeit, die Geliebte in seiner Erinnerung lebendig zu halten. Das Herz des Sprechers ist wie erstorben, und das Bild seiner Geliebten darin ist kalt und starr. Er fürchtet, dass, wenn sein Herz wieder zu schmelzen beginnt, auch das Bild seiner Liebe dahinschmelzen wird. Das Gedicht endet mit der Frage, wer ihm dann von seiner Geliebten erzählen wird, wenn seine Schmerzen verstummen. Die Erstarrung wird somit als ein Zustand der emotionalen Taubheit und des Verlusts der Erinnerung dargestellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Ich will den Boden küssen
- Hyperbel
- durchdringen Eis und Schnee Mit meinen heißen Thränen
- Kontrast
- Mit meinen heißen Thränen, Bis ich die Erde seh
- Metapher
- Mein Herz ist wie erstorben, Kalt starrt ihr Bild darin
- Personifikation
- Die Blumen sind erstorben
- Rhetorische Frage
- Soll denn kein Angedenken Ich nehmen mit von hier?