Erschütternde Schüttel-Knüttel-Reimballade

Heinrich Seidel

1842

Auf den Rabenklippen bleichen Knabenrippen, und der Mond verkriecht sich düster ins Gewölk Rings im Kringel schnattern schwarze Ringelnattern, und der Uhu naht sich mit Gebölk.

Mit den Tatzen kratzen bleiche Katzenfratzen an dem Leichenstein, der Modergruft. Furchtbar, schrecklich, gräßlich, greulich, eklig, häßlich tönt ihr Wehgewinsel durch die Luft.

Tief im Moore brodelt′s und im Chore jodelt′s in die kohlpechrabenschwarze Nacht hinaus. Keine Brandungslücke, keine Landungsbrücke gibt′s in diesem Moor aus Schreck und Graus.

Selbst ein dummer Stänker wird ein stummer Denker, wenn er so viel Grauses hört und schaut. Trinkt noch schnell ′nen Bittern, sinkt zur Stell mit Zittern mit ′ner Kreidehaut ins Heidekraut.

Drum, ihr tollen Zecher, hebt die vollen Becher, besser sitzt es sich doch hier beim Wein als auf Rabenklippen, wo die Knabenrippen bleichen bei des Neumonds finsterm Schein.

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Illustration zu Erschütternde Schüttel-Knüttel-Reimballade

Interpretation

Das Gedicht "Erschütternde Schüttel-Knüttel-Reimballade" von Heinrich Seidel beschreibt eine düstere und unheimliche Szenerie auf den Rabenklippen, wo bleiche Knochen und schwarze Schlangen die Nacht durchdringen. Der Mond versteckt sich hinter Wolken, während Eulen und Katzen mit ihren unheimlichen Geräuschen die Atmosphäre verstärken. Die Stimmung ist von Furcht und Grauen geprägt, die sich in der Natur und den Tieren widerspiegeln. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Szene noch bedrückender, da sich im Moor seltsame Geräusche und Jodeln in der pechschwarzen Nacht ausbreiten. Es gibt weder eine sichere Landungsstelle noch einen Ausweg aus dieser schrecklichen Umgebung. Selbst ein einfältiger Mensch wird zum nachdenklichen Beobachter, wenn er das Grauen um sich herum wahrnimmt. Die Angst treibt die Menschen dazu, Trost in einem bitteren Trunk zu suchen, bevor sie zitternd ins Heidekraut sinken. Im letzten Teil des Gedichts wird ein Kontrast zur vorherigen Szenerie geschaffen, indem die Zecher aufgefordert werden, ihre Becher zu erheben und sich lieber beim Wein zu versammeln. Die heitere Atmosphäre am Tisch wird als angenehmer empfunden als die unheimliche und kalte Nacht auf den Rabenklippen, wo die Knochen im finsteren Schein des Neumonds erstarren.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Auf den Rabenklippen bleichen Knabenrippen
Bildsprache
Tief im Moore brodelt′s und im Chore jodelt′s
Hyperbel
Furchtbar, schrecklich, gräßlich, greulich, eklig, häßlich
Kontrast
als auf Rabenklippen, wo die Knabenrippen bleichen bei des Neumonds finsterm Schein
Metapher
Mit den Tatzen kratzen bleiche Katzenfratzen
Onomatopoesie
Rings im Kringel schnattern schwarze Ringelnattern
Personifikation
und der Mond verkriecht sich düster ins Gewölk