Eros

Bettina von Arnim

1785

Im Bett der Rose lag er eingeschlossen, Im Wechselschimmer ihrer zarten Seiten, Die taugebrochnen Strahlen schmeichelnd gleiten Hinein zu ihm, von Geisterhauch umflossen.

Mich dünkt, in Schlummer waren hingegossen Die reinen Glieder, durch des Dufts Verbreiten Und durch der Biene Summen, die zuzeiten Vorüberstreift an zitternden Geschossen.

Doch da beginnt mit einemmal zu schwellen Der Blume Kelch! Ins Freie nun gehoben, Erkenn ich ihn im Tagesglanz, dem hellen.

Es ist mein Auge vor ihm zugesunken, Der mich so seltsam mit dem Blick umwoben, In seinem Lichte lieg ich traume-trunken.

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Illustration zu Eros

Interpretation

Das Gedicht "Eros" von Bettina von Arnim beschreibt die poetische und sinnliche Begegnung mit der Liebe, symbolisiert durch den Gott Eros. Die Rose dient als Metapher für die Schönheit und Vergänglichkeit der Liebe, wobei Eros in ihrem Inneren verborgen liegt. Die zarten Strahlen und der Hauch von Geistern schaffen eine mystische Atmosphäre, die den schlafenden Eros umgibt. Die Biene und der Duft verstärken die sinnliche Stimmung und deuten auf die Nähe und Anziehungskraft der Liebe hin. Im zweiten Teil des Gedichts erwacht Eros, als sich der Kelch der Blume öffnet. Dies symbolisiert den Moment der Erkenntnis und des Erwachens der Liebe. Der Übergang vom Schlummer zum Tagesglanz steht für die Offenbarung der Liebe in ihrer vollen Pracht. Der Sprecher erkennt Eros im Licht des Tages, was die Klarheit und Intensität der empfundenen Liebe unterstreicht. Die Augen des Sprechers sinken vor Eros nieder, was eine tiefe emotionale Wirkung und Unterwerfung unter die Macht der Liebe ausdrückt. Das Gedicht endet mit einer tranceartigen Verzückung des Sprechers, der in Eros' Licht träume-trunken liegt. Dies deutet auf die überwältigende und berauschende Natur der Liebe hin, die den Sprecher in einen Zustand der Ekstase versetzt. Die Verwendung von Bildern wie dem Rosenbett und dem Tagesglanz verleiht dem Gedicht eine romantische und mystische Qualität, die die tiefe emotionale Erfahrung der Liebe einfängt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Summen, die zuzeiten
Bildsprache
Mich dünkt, in Schlummer waren hingegossen
Metapher
In seinem Lichte lieg ich traume-trunken
Personifikation
Die taugebrochnen Strahlen schmeichelnd gleiten