Ermunterung zu Widerwärtigkeit

Johann Grob

1879

Herze, tu das Beste, halte dich jetzt feste! Setzt es gleich Streich auch Streich, geht es bunt und kraus, bricht der Unstern über dich zu strömen aus: Halte wohl, mein Herz, und weiche nicht, wie ein Fels der Sturm und Wellen bricht! Solche Prob hat ihr Lob, daß sie Leid bezwingt und anstatt des Weinens wohl ein Liedlein singt. Ei, was sollt ich zagen? Nimmt uns dann das Klagen auch ein Lot von der Not, die uns drücken kann! Ja, es hängt vielmehr einen Zentner dran! Lieber trag ich einen frischen Mut, welcher allem Unglück Abbruch tut und verjagt, was uns plagt, welcher Licht aus Nacht, ja, aus einem Zentner kaum ein Pfündlein macht. Gott ist, der es sendet, Gott ist, der es wendet. Stell auf ihn Trost und Sinn! Dieser Grund ist fest, weil er keinen Anvertrauten sinken läßt. Wickle deine Seel in Hoffnung ein, nach dem Regen kömmt doch Sonnenschein, auf das Leid folget Freud! Und wie wohl daran ist, wer Gottes und des Glücks erwarten kann!

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Illustration zu Ermunterung zu Widerwärtigkeit

Interpretation

Das Gedicht "Ermunterung zu Widerwärtigkeit" von Johann Grob ist eine ermutigende und tröstende Ansprache an das Herz des lyrischen Ichs. Es appelliert an die innere Stärke und den festen Glauben, um in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben. Das Herz wird aufgefordert, sich festzuhalten und nicht zu wanken, selbst wenn es von "Streich auch Streich" trifft und der "Unstern" über einen hereinbricht. Die Metapher des Felsens, der Sturm und Wellen bricht, verdeutlicht die gewünschte Standhaftigkeit und Unerschütterlichkeit. Das Gedicht betont die positive Wirkung von Widerstandsfähigkeit und Optimismus. Es suggeriert, dass die Fähigkeit, Leid zu bezwingen und stattdessen ein "Liedlein" zu singen, lobenswert ist. Der lyrische Sprecher ermutigt das Herz, nicht zu zagen oder zu klagen, sondern einen "frischen Mut" zu tragen, der allem Unglück Einhalt gebietet. Diese positive Einstellung wird als eine Last dargestellt, die man gerne tragen sollte, da sie Licht in die Dunkelheit bringt und selbst aus einem Zentner Not nur ein Pfündlein macht. Das Gedicht schließt mit einem starken Bekenntnis zum Glauben an Gott. Es wird betont, dass Gott sowohl das Leid sendet als auch wendet, und dass man sein Vertrauen und seine Hoffnung auf ihn setzen soll. Der lyrische Sprecher versichert, dass dieser Grund fest ist, da Gott keinen anvertraut, der an ihn glaubt, sinken lässt. Die Metapher des Einwickelns der Seele in Hoffnung und der Hinweis auf den Sonnenschein nach dem Regen symbolisieren die Zuversicht, dass nach dem Leid auch wieder Freude kommen wird. Das Gedicht endet mit der Aufforderung, auf Gott und das Glück zu warten, was als eine Quelle des Trostes und der Hoffnung dargestellt wird.

Schlüsselwörter

halte streich bricht leid kann zentner gott herze

Wortwolke

Wortwolke zu Ermunterung zu Widerwärtigkeit

Stilmittel

Alliteration
Streich auch Streich, geht es bunt und kraus
Antithese
auf das Leid folget Freud!
Hyperbel
Ja, es hängt vielmehr einen Zentner dran!
Kontrast
welcher Licht aus Nacht, ja, aus einem Zentner kaum ein Pfündlein macht
Metapher
Herze, tu das Beste, halte dich jetzt feste!
Parallelismus
Gott ist, der es sendet, Gott ist, der es wendet
Personifikation
wie ein Fels der Sturm und Wellen bricht!
Symbolik
nach dem Regen kömmt doch Sonnenschein