Erloschene Liebe
1859Laß, o laß mir Deine Hand; Zieh’ sie nicht so kalt zurücke; Nimm, Du nahmst’s ja schon, mein Glücke, Laß mir immerhin die Hand!
Wenn Du nichts auch für mich fühlst, Laß mich dennoch weiter träumen, Laß mich zweifeln, laß mich säumen, Wenn Du nichts auch für mich fühlst!
Gönne mir den armen Trost; Steh’ ich hier doch an dem Grabe Meiner schönsten, reichsten Habe; Gönne mir den armen Trost!
Wenn auch Deine Hand mich drückt, Wie sie pflegt’ in schönern Zeiten, Werd’ ich’s nicht wie Liebe deuten, Wenn auch Deine Hand mich drückt!
Händedruck ist ja nur Gruß, Liebe bleibt sich nicht so ferne; Lipp’ an Lippe glüht sie gerne, Händedruck ist ja nur Gruß.
Händedruck ist noch kein Schwur, Ist kein ewiges Versprechen; Das auch weißt Du, kann man brechen; Händedruck ist noch kein Schwur! –
Darum laß mir Deine Hand; Was geschieden, bleibt geschieden. Ach, Du nahmst mir ja den Frieden, Laß mir immerhin die Hand! –
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Interpretation
Das Gedicht "Erloschene Liebe" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von einem verlassenen Liebenden, der um die Hand seiner ehemaligen Geliebten bittet, obwohl er weiß, dass ihre Liebe erloschen ist. Der Sprecher fleht die Frau an, ihm wenigstens die körperliche Nähe und den Trost zu gewähren, den ein Händedruck bieten kann, auch wenn er sich keine Hoffnung auf eine Wiederbelebung ihrer Liebe macht. In den einzelnen Strophen des Gedichts wird der emotionale Zustand des Sprechers deutlich. Er ist verzweifelt und sehnt sich nach der verlorenen Liebe, doch zugleich resigniert er und akzeptiert, dass seine Geliebte ihm gegenüber kalt und gefühlslos geworden ist. Er bittet sie, ihm weiterhin die Illusion einer möglichen Liebe zu erlauben, auch wenn er weiß, dass sie ihm nichts mehr bedeutet. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis des Sprechers, dass ein Händedruck nur ein oberflächlicher Gruß ist und kein Versprechen ewiger Liebe. Er akzeptiert, dass ihre Beziehung vorbei ist und bittet sie nur noch darum, ihm wenigstens die Hand zu reichen, da sie ihm ohnehin den inneren Frieden genommen hat. Die letzten Zeilen des Gedichts drücken die tiefe Traurigkeit und Resignation des Sprechers aus, der sich mit der Tatsache abfindet, dass seine Liebe einseitig und unerwidert bleibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Laß, o laß mir Deine Hand; Zieh' sie nicht so kalt zurücke; Nimm, Du nahmst's ja schon, mein Glücke, Laß mir immerhin die Hand!
- Antithese
- Händedruck ist ja nur Gruß, Liebe bleibt sich nicht so ferne
- Chiasmus
- Händedruck ist ja nur Gruß, Liebe bleibt sich nicht so ferne
- Hyperbel
- Meiner schönsten, reichsten Habe
- Metapher
- Steh' ich hier doch an dem Grabe Meiner schönsten, reichsten Habe
- Vergleich
- Wie sie pflegt' in schönern Zeiten
- Wiederholung
- Wenn Du nichts auch für mich fühlst