Erlkönigs Tochter
1779Herr Oluf reitet spät und weit, Zu bieten auf seine Hochzeitsleut;
Da tanzen die Elfen auf grünem Land, Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand.
“Willkommen, Herr Oluf! Was eilst von hier? Tritt her in den Reihen und tanz mit mir.”
“Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag, Frühmorgen ist mein Hochzeittag.”
“Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir, Zwei güldne Sporne schenk ich dir.
Ein Hemd von Seide so weiß und fein, Meine Mutter bleicht’s mit Mondenschein.”
“Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag, Frühmorgen ist mein Hochzeitstag.”
“Hör an, Herr Oluf, tritt tanzen mit mir, Einen Haufen Goldes schenk ich dir.”
“Einen Haufen Goldes nähm ich wohl; Doch tanzen ich nicht darf noch soll.”
“Und willt, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir, Soll Seuch und Krankheit folgen dir.”
Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz, Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz.
Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd. “Reit heim nun zu deine’m Fräulein wert.”
Und als er kam vor Hauses Tür, Seine Mutter zitternd stand dafür.
“Hör an, mein Sohn, sag an mir gleich, Wie ist dein’ Farbe blaß und bleich?”
“Und sollt sie nicht sein blaß und bleich, Ich traf in Erlenkönigs Reich.”
“Hör an, mein Sohn, so lieb und traut, Was soll ich nun sagen deiner Braut?”
“Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund, Zu proben da mein Pferd und Hund.”
Frühmorgen und als es Tag kaum war, Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.
“Sie schenkten Met, sie schenkten Wein; Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?”
“Herr Oluf, er ritt in Wald zur Stund, Er probt allda sein Pferd und Hund.”
Die Braut hob auf den Scharlach rot, Da lag Herr Oluf, und er war tot.
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Interpretation
Das Gedicht "Erlkönigs Tochter" von Johann Gottfried von Herder erzählt die tragische Geschichte von Herr Oluf, der auf dem Weg zu seiner Hochzeit von den Elfen und der Tochter des Erlkönigs verführt wird. Die Elfen tanzen auf grünem Land und die Tochter des Erlkönigs bietet ihm ihre Hand zum Tanz an. Trotz seiner Ablehnung, da er am nächsten Morgen heiraten soll, versucht sie ihn mit Geschenken wie goldenen Sporen, einem seidenen Hemd und einem Haufen Goldes zu überreden. Die Tochter des Erlkönigs wird zunehmend bedrohlicher und warnt Herr Oluf, dass Krankheit und Seuche ihn ereilen werden, wenn er nicht mit ihr tanzt. Als er weiterhin ablehnt, schlägt sie ihm aufs Herz, was ihm unerträglichen Schmerz bereitet. Sie setzt ihn bleich auf sein Pferd und schickt ihn nach Hause zu seiner Braut. Als Herr Oluf vor seiner Haustür ankommt, ist er so blass und krank, dass seine Mutter besorgt ist. Er erzählt ihr von seinem Zusammentreffen mit den Elfen im Erlkönigs Reich. Am nächsten Morgen kommt die Braut mit der Hochzeitsgesellschaft, aber Herr Oluf ist nirgends zu finden. Man sagt ihr, er sei im Wald, um sein Pferd und seinen Hund zu proben. Doch als die Braut einen roten Umhang hebt, findet sie Herr Oluf tot unter ihm. Das Gedicht endet mit dem tragischen Schicksal von Herr Oluf, der von den übernatürlichen Kräften der Elfenwelt verführt und schließlich getötet wurde.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Herr Oluf reitet spät und weit
- Anapher
- Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag, Frühmorgen ist mein Hochzeittag.
- Enjambement
- Und als er kam vor Hauses Tür, Seine Mutter zitternd stand dafür.
- Ironie
- Sagt ihr, ich sei im Wald zur Stund, Zu proben da mein Pferd und Hund
- Kontrast
- Sie tät einen Schalg ihm auf sein Herz, Noch nimmer fühlt er solchen Schmerz
- Metapher
- Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein
- Personifikation
- Da tanzen die Elfen auf grünem Land
- Vergleich
- Ein Hemd von Seide so weiß und fein
- Übertreibung
- Einen Haufen Goldes schenk ich dir