Erlebnis
1924Mit silbergrauem Dufte war das Tal Der Dämmerung erfüllt, wie wenn der Mond Durch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht. Mit silbergrauem Duft des dunklen Tales Verschwammen meine dämmernden Gedanken, Und still versank ich in dem wehenden, Durchsichtigen Meere und verließ das Leben. Wie wunderbare Blumen waren da, Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht, Durch das ein gelbrot Licht wie von Topasen In warmen Strömen drang und glomm. Das Ganze War angefüllt mit einem tiefen Schwellen Schwermütiger Musik. Und dieses wußt ich, Obgleich ichs nicht begreife, doch ich wußt es: Das ist der Tod. Der ist Musik geworden, Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend, Verwandt der tiefsten Schwermut.
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Interpretation
Das Gedicht "Erlebnis" von Hugo von Hofmannsthal beschreibt eine mystische und überirdische Erfahrung, die der Sprecher in einem silbergrauen Tal erlebt. Die Atmosphäre ist von einer dämmernden, fast nächtlichen Stimmung geprägt, die jedoch nicht völlige Dunkelheit bedeutet. Der Sprecher versinkt in einem "durchsichtigen Meer" aus Gedanken und verlässt das Leben, was auf einen Übergang in einen anderen Zustand hindeutet. In diesem Zustand begegnet der Sprecher einer surrealen und traumhaften Welt, die von wunderbaren Blumen und einem Pflanzendickicht erfüllt ist. Die Farben und Lichter werden intensiv beschrieben, wobei ein gelbrot Licht durch das Dickicht strömt und eine warme, glühende Atmosphäre schafft. Die gesamte Szenerie ist von einer tiefen, schwermütigen Musik durchdrungen, die den Sprecher umgibt und beeinflusst. Der Sprecher erkennt intuitiv, dass er sich im Zustand des Todes befindet. Dieser Tod wird nicht als etwas Finsteres oder Beängstigendes dargestellt, sondern als eine Art von Musik, die gewaltig, sehnsüchtig, süß und dunkelglühend ist. Der Tod wird als eine Verwandlung in eine tiefere, melancholische Form der Existenz beschrieben, die eine neue Art von Schönheit und Intensität besitzt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Durch das ein gelbrot Licht wie von Topasen / In warmen Strömen drang und glomm.
- Erkenntnis
- Und dieses wußt ich, / Obgleich ichs nicht begreife, doch ich wußt es: / Das ist der Tod.
- Metapher
- Mit silbergrauem Dufte war das Tal / Der Dämmerung erfüllt, wie wenn der Mond / Durch Wolken sickert.
- Personifikation
- Der ist Musik geworden, / Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend, / Verwandt der tiefsten Schwermut.
- Synästhesie
- Das Ganze / War angefüllt mit einem tiefen Schwellen / Schwermütiger Musik.
- Vergleich
- Wie wunderbare Blumen waren da, / Mit Kelchen dunkelglühend!