Erinnerungen
1901Erinnerungen, die wir sterben ließen, Die unser warmes Herzblut nimmer nährte, Sie folgen doch als Schatten unsrer Fährte Und lauschen draußen, wenn wir nun genießen.
Im Dunkeln stehn sie stumm vor unsrer Türe Wie Bettler, denen niemand mehr will schenken - Mit wehen Blicken stehen sie, und denken Verrauschter Freuden und verklungner Schwüre.
Doch einst, wenn dieses Ich, das sie geboren, Versunken in den Grund der tiefsten Nächte: Dann haben wieder alle gleiche Rechte, Die Schwestern alle, denen wir geschworen;
Die jüngsten dann, der Seele letzte Habe, Den längstgestorbnen reichen sie die Hände, Zu tanzen ohne Neid und ohne Ende Den leichten Reigen über unserm Grabe.
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Interpretation
Das Gedicht "Erinnerungen" von Hanns von Gumppenberg handelt von den vergangenen Erinnerungen, die man losgelassen hat, aber die dennoch als Schatten unseren Weg begleiten. Sie lauschen draußen, wenn wir im Hier und Jetzt genießen, wie Bettler vor unserer Tür, die niemand mehr beschenken will. Im Dunkeln stehen sie stumm und denken an verrauschte Freuden und verklungene Schwüre. Das Gedicht beschreibt, wie diese Erinnerungen eines Tages, wenn das Ich versunken im Grund der tiefsten Nächte ist, wieder gleiche Rechte haben werden wie alle anderen Erinnerungen. Die jüngsten Erinnerungen, die letzte Habe der Seele, reichen den längstgestorbenen die Hände. Gemeinsam tanzen sie dann ohne Neid und ohne Ende den leichten Reigen über unserem Grab.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Den leichten Reigen über unserm Grabe
- Personifikation
- Zu tanzen ohne Neid und ohne Ende
- Vergleich
- Wie Bettler, denen niemand mehr will schenken