Erinnerung

Luise Büchner

1862

Hier will ich sitzen und ruhen An diesem lieblichen Ort, Will schweifen lassen das Auge Ins Weite von Ort zu Ort.

Will stille sitzen und denken An Alles was ich geliebt, Will Alles, Alles vergessen, Was mich verletzt und betrübt.

Und kann ich es denn verbannen, Woran ich nicht denken will? Wie bleibt es beim frohen Erinnern Im Herzen so öd und so still!

Es sind so innig verbunden In mir die Freuden und Wehn, Dass nur vereint sie entschlummern, Vereinigt nur auferstehn!

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Illustration zu Erinnerung

Interpretation

Das Gedicht "Erinnerung" von Luise Büchner handelt von der Sehnsucht nach Ruhe und der komplexen Natur der Erinnerung. Die Sprecherin möchte an einem lieblichen Ort sitzen und ruhen, ihren Blick in die Ferne schweifen lassen und über alles nachdenken, was sie geliebt hat. Sie versucht, alles zu vergessen, was sie verletzt oder betrübt hat, und sucht nach innerem Frieden. Doch die Sprecherin stellt fest, dass es unmöglich ist, bestimmte Gedanken bewusst zu verbannen. Die Erinnerung an schmerzhafte Erlebnisse bleibt im Herzen präsent und macht es öde und still. Die Freude des Erinnerns kann nicht ohne den Schmerz existieren, der damit verbunden ist. Die Sprecherin erkennt, dass Freuden und Wehmut in ihrem Inneren untrennbar miteinander verbunden sind. Am Ende des Gedichts akzeptiert die Sprecherin, dass Freuden und Wehmut nur vereint entschlummern und nur vereint auferstehen können. Sie erkennt, dass die Erinnerung an die Vergangenheit, sowohl an die schönen als auch an die schmerzhaften Momente, untrennbar mit ihrer Identität verbunden ist. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass man die Vergangenheit nicht einfach auslöschen oder vergessen kann, sondern dass man lernen muss, mit den gemischten Gefühlen umzugehen, die sie hervorruft.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Kontrast
Wie bleibt es beim frohen Erinnern Im Herzen so öd und so still!
Parallelismus
Es sind so innig verbunden In mir die Freuden und Wehn
Personifikation
Will Alles, Alles vergessen
Rhetorische Frage
Und kann ich es denn verbannen, Woraus ich nicht denken will?