Erfüllung
1874Meine Sporen frechzen deine Spitzen! Bläulich kichern die Aederchen fort In Sicherheit höhnisch Im Schimmrigen Weich Bebige Hügel wiegen Verlangen Köpfchen rosen empor und steilen Gewähr. Die Lippe zerfrißt sich! Golden ringeln Würger hinunter Und schnüren den Hals zu Nach meinen Fingern tastet dein Blut Und siedet den Kampf. Die Seelen ringen und kollern abseit! Hoch schlagen die Röcke den Blick auf Goldhellrot Rotweichrot Flamme zischt in das Hirn Und sticht mir das Schaun aus! Sinken Sinken Schweben und Sinken Schwingen im Sturme Im Sturm Im schreikrollen Meer!
Ziegelrot Ueber uns segnet der Tod Säender Tod!
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Interpretation
Das Gedicht "Erfüllung" von August Stramm ist ein intensives und verstörendes Werk, das die Themen Liebe, Gewalt und Tod auf eine unkonventionelle Weise behandelt. Die Sprache ist geprägt von ungewöhnlichen Wortkombinationen und einer fragmentierten Syntax, die den Leser in eine surreale und emotional aufgeladene Welt eintauchen lässt. Die Bilder sind oft gewalttätig und sexuell aufgeladen, was eine Atmosphäre der Spannung und des Ekels erzeugt. Das Gedicht beginnt mit einer aggressiven und sexuellen Anspielung, die die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren einleitet. Die Verwendung von Wörtern wie "frechzen" und "kichern" verleiht den Handlungen eine tierische und primitive Qualität. Die Beschreibung der "bebigen Hügel" und der "rosen empor" steigenden Köpfe erzeugt eine visuelle Darstellung von Verlangen und Erregung. Doch diese scheinbare Erfüllung wird schnell von gewalttätigen Bildern überlagert, wie der "zerfrißenden Lippe" und den "Würgern", die den Hals zu schnüren scheinen. Im Verlauf des Gedichts wird die Intensität der Emotionen und Handlungen immer weiter gesteigert. Die Seelen "ringen und kollern abseit", was auf einen Kampf hindeutet, der über das Physische hinausgeht. Die "goldhellrot" und "rotweichrot" beschriebenen Röcke, die den Blick auf sich ziehen, könnten als Symbol für die Weiblichkeit und die damit verbundene Anziehung und Gefahr interpretiert werden. Die Flamme, die ins Hirn zischt und das Sehen raubt, symbolisiert die überwältigende Natur der Erfahrung, die zur völligen Hingabe und zum Verlust des Selbst führt. Das Gedicht endet mit dem Bild des Todes, der über den Protagonisten "segnet". Der Tod wird als "säender Tod" beschrieben, was darauf hindeutet, dass er nicht nur das Ende, sondern auch einen Neuanfang oder eine Transformation darstellt. Die Verwendung des Wortes "Ziegelrot" könnte auf die Farbe von Blut oder Leidenschaft hinweisen und die Idee verstärken, dass die Erfüllung, die das Gedicht beschreibt, mit Schmerz und Opfer verbunden ist. Insgesamt ist "Erfüllung" ein kraftvolles und verstörendes Gedicht, das die Grenzen der menschlichen Erfahrung und die Komplexität der Emotionen erforscht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Ziegelrot
- Hyperbel
- Die Lippe zerfrißt sich
- Onomatopoesie
- Golden ringeln Würger hinunter
- Personifikation
- Meine Sporen frechzen deine Spitzen
- Wiederholung
- Im Sturm