Erfüllung
1911Verhaltenes Geigengeriesel Zittert in mein Gemach Ich horche auf … und denke Den stillen Tönen nach …
Sie betasten meine Seele Liebkosend, scheu und mild Es kommt in werbender Schöne Zu mir dein liebes Bild …
Das ist eine alte Geschichte Man sieht′s auf den ersten Blick: Ein lyrischer Dichter wird immer Das Opfer diskreter Musik …
Sie flockt so krauses Getändel, Sie plaudert entzückendes Zeug Sie stöbert aus Seelengründen Vergeßner Gefühle Gesträuch!
Auch mich hat sie ergriffen … Tiefinnerstes aufgewühlt Wie sehr ich dich doch liebe: Das habe ich da erst gefühlt!
Nun schweigen die stillen Töne, Und alles hat sich erfüllt Und in unendlicher Schöne Schau′ ich dein liebes Bild …
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Interpretation
Das Gedicht "Erfüllung" von Hermann Conradi handelt von der tiefen emotionalen Wirkung, die Musik auf den lyrischen Ich-Erzähler ausübt. Die Musik wird als ein verhaltenes Geigengeriesel beschrieben, das in das Gemach des Erzählers dringt und ihn zum Lauschen und Nachdenken anregt. Die Töne berühren seine Seele auf liebevolle und sanfte Weise und lassen das Bild der geliebten Person in seiner Vorstellung aufblühen. Die Musik wird als diskrete und verführerische Kraft dargestellt, die das lyrische Ich in einen Zustand der Verwirrung und des Aufruhrs versetzt. Sie lockt mit ihrem wirbelnden Spiel und ihrem entzückenden Geplauder vergessene Gefühle aus den Tiefen der Seele hervor. Der Erzähler gibt sich der Musik hin und lässt sich von ihr mitreißen, bis er schließlich die volle Intensität seiner Liebe zu der Person im Bild erkennt. Im letzten Vers des Gedichts ist die Musik verstummt, aber das lyrische Ich hat eine tiefgreifende Erkenntnis erlangt. Die Stille der Töne steht symbolisch für die Erfüllung, die der Erzähler durch die Musik erfahren hat. Er betrachtet das Bild der geliebten Person in unendlicher Schönheit und ist sich nun vollkommen bewusst, wie sehr er sie liebt. Die Musik hat ihm somit zu einer tieferen Einsicht und zu einer emotionalen Erfüllung verholfen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sie flockt so krauses Getändel
- Bildlichkeit
- Es kommt in werbender Schöne Zu mir dein liebes Bild ...
- Erkenntnis
- Wie sehr ich dich doch liebe: Das habe ich da erst gefühlt!
- Hyperbel
- Auch mich hat sie ergriffen ... Tiefinnerstes aufgewühlt
- Ironie
- Das ist eine alte Geschichte Man sieht's auf den ersten Blick: Ein lyrischer Dichter wird immer Das Opfer diskreter Musik ...
- Metapher
- Sie stöbert aus Seelengründen Vergeßner Gefühle Gesträuch!
- Personifikation
- Sie plaudert entzückendes Zeug
- Schlussbild
- Nun schweigen die stillen Töne, Und alles hat sich erfüllt Und in unendlicher Schöne Schau' ich dein liebes Bild ...