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Erfolg

Von

Herr Sensatore,
Ihr Roman
Bricht flott sich Bahn,
Macht viel furore,
Dieweil er so beweglich,
So nervaufreglich,
So bunt, so frei
Und auch so Leih-
Bibliotbeklich.

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Gedicht: Erfolg von Friedrich Theodor Vischer

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Erfolg“ von Friedrich Theodor Vischer ist eine ironische und satirische Auseinandersetzung mit dem kommerziellen Erfolg eines Romans. Die Sprache ist spöttisch und verwendet bewusst übertriebene Formulierungen, um die Trivialität und Oberflächlichkeit des Werks zu betonen, das gelobt wird. Das Gedicht adressiert „Herrn Sensatore“, vermutlich den Autor des Romans, und gratuliert ihm indirekt zum Erfolg.

Die Ironie liegt in den Eigenschaften, die dem Roman zugeschrieben werden. Er wird als „beweglich“, „nervaufreglich“, „bunt“ und „frei“ bezeichnet – Attribute, die in der Literaturkritik oft positiv konnotiert sind. Doch hier werden sie in einem negativen Kontext verwendet, da sie die seichte und anspruchslose Natur des Romans unterstreichen. Das Adjektiv „nervaufreglich“ deutet auf reißerische Effekte hin, während „bunt“ und „frei“ die fehlende Tiefe und Kohärenz implizieren könnten. Die Verwendung des Wortes „furore“ unterstreicht die Oberflächlichkeit des Erfolgs.

Der Höhepunkt der Ironie ist die letzte Zeile: „Und auch so Leih-/Bibliotbeklich.“ Hier wird die triviale Natur des Romans durch die Erwähnung der Leihbibliotheken, die im 19. Jahrhundert weit verbreitet waren, verstärkt. Das Gedicht impliziert, dass der Erfolg des Romans nicht auf literarischen Wert, sondern auf seiner Massenkompatibilität und Beliebtheit in den Leihbibliotheken beruht. Dies deutet auf eine Kritik an der Kommerzialisierung der Literatur und der zunehmenden Bedeutung von Geschmack der breiten Masse hin.

Vischer nutzt die knappe Form des Gedichts, um seine Kritik prägnant zu formulieren. Die scheinbar positiven Attribute werden durch ihren Kontext entlarvt und offenbaren die Leere und Oberflächlichkeit des Werks. Der einfache Reim und die prägnante Sprache verstärken den satirischen Effekt. Das Gedicht ist ein subtiles, aber wirkungsvolles Beispiel für literarische Kritik, das den Leser dazu anregt, die Kriterien von Erfolg und literarischem Wert zu hinterfragen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.