Er redet der Liebsten Augen an, die er umfinge

Paul Fleming

1640

Ihr seid es, die ihr mir die meinen machet blind, ihr lichten Spiegel ihr, da ich die ganzen Schmerzen leibhaftig kan besehn von mein und ihrem Herzen. Ihr Werkstat, da die Gunst die güldnen Fäden spinnt,

darüber Meister ist das kluge Venus-Kind, ihr, meine Sonn′ und Mon, ihr irdnen Himmelskerzen, in welchen Lust mit Zier und Schein mit Glanze scherzen, ihr seid es, die mir mehr als alle Schätze sind!

Ihr Räuber meines Lichts und dessen Wiedergeber, von euch zeucht Amor ein und aus in meine Leber, als sein natürlichs Haus. Ihr beide tut mir kund,

ihr stummen Redner ihr, worvon ich itzt noch sunge: verschweigets gleich ihr Mund und sagts nicht ihre Zunge, ihr sagt es ohne Zung′ und redets ohne Mund.

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Illustration zu Er redet der Liebsten Augen an, die er umfinge

Interpretation

Das Gedicht "Er redet der Liebsten Augen an, die er umfinge" von Paul Fleming ist eine Liebeserklärung an die Augen der Geliebten. Der Sprecher preist die Augen als Spiegel, in denen er sowohl seine eigenen als auch die Schmerzen des Herzens der Geliebten sehen kann. Die Augen werden als Werkstatt bezeichnet, in der die Gunst goldene Fäden spinnt, wobei das kluge Venus-Kind als Meister fungiert. Der Sprecher vergleicht die Augen mit Sonne und Mond, den irdischen Himmelskerzen, in denen Lust mit Zier und Schein mit Glanz spielen. Die Augen sind für den Sprecher kostbarer als alle Schätze. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Augen als Räuber des Lichts und dessen Wiedergeber. Der Amor zieht durch die Augen in die Leber des Sprechers ein und aus, die als natürliches Haus des Liebesgottes dient. Die Augen fungieren als stumme Redner, die dem Sprecher offenbaren, worüber er singt, auch wenn der Mund der Geliebten schweigt und ihre Zunge nichts sagt. Die Augen sagen es ohne Zunge und reden ohne Mund, was ihre ausdrucksstarke und kommunikative Kraft unterstreicht. Insgesamt ist das Gedicht eine poetische Hommage an die Augen der Geliebten, die als Spiegel der Seele und als Vermittler der Liebe dienen. Fleming nutzt zahlreiche Metaphern und Vergleiche, um die Schönheit und Bedeutung der Augen zu preisen und ihre Rolle im Liebesgeschehen zu betonen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
ihr seid es, die mir mehr als alle Schätze sind
Metapher
von euch zeucht Amor ein und aus in meine Leber
Personifikation
Ihr stummen Redner ihr
Wortspiel
ihr sagt es ohne Zung' und redets ohne Mund