Er preiset das Schwarze
1643Wan ich besingen sol / was mir ergezung bringt / So ist es Schwarz und Braun / dem dises Lied erklingt. Erlaubt mir / daß ich mich ein wenig lustig mach’: Ein jeder preiset gern’ ein’ angeneme Sach’.
Ich haft’ an schwarzer farb’ / und bin ihr billich hold: Ein schwarzes Erdreich ist mehr wert dan rohtes Gold / Es bringet korn und wein: Gold dienet nur zur pracht / Durch seinen stolzen glanz wird niemand satt gemacht.
Schwarz ziert des Menschen leib / ein schwarzes Augenpaar Schmükt eine Jungfer wol / deßgleichen schwarze haar: Helena war ja auch mit solchen ausgeziert; Sonst hätte Paris sie gewißlich nicht entführt.
Wol mir / und mehr als wol / daß auch mein liebstes Kind Sich in der schönen zahl des braunen Volks befindt! Ihr schwarzes Augenliecht zündt meine kohlen an / Daß mir die Liebe stets das herz erwärmen kan.
Schwarz ist durchgehends schön’: ein sauber schwarzes Kleid Ziert beides Mann und Weib / und führet freüd’ und leid: Was kan auch schöner sein / dan ein kohlschwarzes Pferd / Die farbe nur allein ist hundert tahler wert.
Die schwarzen Kirschen seind bei ärzten hochgeacht / Ihr wasser hat die red’ halb todten wiederbracht: Schwarzbraune Negelein die riechen herrlich wol / Ach hätt’ ich ihrer nur den ganzen garten voll.
Der braun’ und schwarze Wein hat freüdenreiche kraft; Drum liebt ihn Bacchus sehr samt seiner bruderschaft / Mars ist den schwarzen auch mit hulden zugetahn / Dieweil das pulver schwarz / so er nicht missen kan.
Auch Phebus liebt das schwarz’ / und braucht es immerzu / Die schwarze Dinte hat bei ihm ja keine ruh: Ihr andre Farben ihr / roht / grühn / gelb / blau / und weiß / Weicht etwas hinder sich / dan schwarz behelt den preis.
Ach schwarz / du edles schwarz / du immer schöne zier / Mein herze hat allein zu dir lust und begier: Mein auserwehltes schwarz / ich bleib’ in dich verliebt / So lange nur mein leib dem leben wohnung giebt.
Der Tod hat endlich nichts an dieser liebesbrunst / Dan wer mich überlebt / der tuht mir noch die gunst / Und scharret meinen leib in schwarze erden ein / Wan mein verliebter Geist wird ausgeflogen sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Er preiset das Schwarze" von Johann Grob ist eine Ode an die Farbe Schwarz und ihre vielfältigen Erscheinungsformen und Bedeutungen im Leben. Der Sprecher preist Schwarz als etwas, das ihm Erquickung bringt und ihn erfreut. Er beginnt damit, dass er sich erlaubt, ein wenig lustig zu machen und eine angenehme Sache zu preisen. Im weiteren Verlauf des Gedichts beschreibt der Sprecher die Schönheit und den Wert von Schwarz in verschiedenen Kontexten. Er vergleicht schwarze Erde mit rohem Gold und betont, dass sie mehr wert ist, da sie Korn und Wein hervorbringt, während Gold nur zur Pracht dient. Er lobt auch die Schönheit schwarzer Augen, Haare und Kleidung und erwähnt, dass selbst die berühmte Helena mit solchen Eigenschaften geschmückt war. Der Sprecher zeigt seine Zuneigung zu seiner braunen Tochter und wie ihre schwarzen Augen seine Liebe entfachen. Er preist auch die Schönheit eines kohlschwarzen Pferdes und die heilenden Eigenschaften schwarzer Kirschen. Er erwähnt, dass Bacchus den braunen und schwarzen Wein liebt, Mars dem Schwarzen zugetan ist und Phebus die schwarze Tinte verwendet. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Sprecher seine tiefe Liebe und Hingabe zur Farbe Schwarz aus. Er verspricht, in Schwarz verliebt zu bleiben, solange sein Körper dem Leben Wohnung gibt. Selbst der Tod kann diese Liebesbrunst nicht beenden, da er wünscht, dass sein Körper in schwarze Erde gelegt wird, wenn sein verliebter Geist ausgeflogen ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schwarzbraune Negelein
- Anapher
- Schwarz ist durchgehends schön
- Apostrophe
- Ach schwarz, du edles schwarz, du immer schöne zier
- Bildsprache
- Ihr schwarzes Augenliecht zündt meine kohlen an
- Enjambement
- Wan ich besingen sol / was mir ergezung bringt
- Hyperbel
- Die farbe nur allein ist hundert tahler wert
- Kontrast
- Gold dienet nur zur pracht / Durch seinen stolzen glanz wird niemand satt gemacht
- Metapher
- Ein schwarzes Erdreich ist mehr wert dan rohtes Gold
- Personifikation
- Schwarz ziert des Menschen leib
- Symbolik
- Das schwarze Erdreich als Symbol für Fruchtbarkeit und Leben
- Vergleich
- Ein schwarzes Augenpaar / Schmükt eine Jungfer wol