Epilog zu Uhlands »Ernst von Schwaben.«
1790Gesprochen von Regisseur Koch auf dem k. k. Hofburgtheater zu Wien.
Ein halb Jahrhundert sah ich fast entfliehn, Seit ich, ach, der vergänglichsten von allen, Der Mimen Kunst so Herz als Kraft geweiht, Und Manches hab′ ich kommen sehn und schwinden Im Laufe dieser wechselvollen Zeit, Und wenig nur stand in dem Wechsel fest. Doch Eines blieb sich unverändert gleich: Die Güte, die Ihr freundlich manches Jahr Dem Streben schenktet so wie dem Gelingen. Laßt mich in unsrer Aller Namen heut′ Euch danken, mich, dem Dank am meisten ziemt, Da er am längsten Eurer Huld sich freut, Und den – wie leicht, Ihr Guten, kann′s geschehn, – Die nächste Stunde ruft zu weitem Weg! – Und heut auf′s neue sind wir Euch verpflichtet, Und heut besonders zeigt Ihr Euch geneigt; Denn was mißlang, mißlang nur uns allein! Der Dichter nicht, und nicht sein edles Werk Darf Eurer Nachsicht heut empfohlen seyn; Denn, ein bewährter Meister deutschen Sangs, Gebührt ihm Euer Lob, indeß für uns Die oft erprobte Milde wir erbitten, Wenn unsre Kraft nicht bis an′s Ziel gereicht. –
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Interpretation
Das Gedicht "Epilog zu Uhlands »Ernst von Schwaben«" von Joseph Christian von Zedlitz ist ein Dankesgedicht an das Publikum des k. k. Hofburgtheaters in Wien. Der Sprecher, Regisseur Koch, blickt auf ein halbes Jahrhundert zurück, in dem er der vergänglichsten aller Künste, der Schauspielkunst, sein Herz und seine Kraft gewidmet hat. Er reflektiert über die Vergänglichkeit und den Wandel in der Theaterwelt, aber auch über die Beständigkeit der Güte des Publikums, das den Schauspielern jahrelang mit Freundlichkeit begegnet ist. Der zweite Teil des Gedichts ist eine Dankesrede an das Publikum. Der Sprecher bittet darum, im Namen aller Schauspieler dem Publikum danken zu dürfen. Er betont, dass er sich besonders geehrt fühlt, da er am längsten von der Gunst des Publikums profitiert hat. Er erkennt an, dass er möglicherweise bald von der Bühne abtreten muss und daher besonders dankbar für die Anerkennung ist. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher direkt an das Publikum. Er betont, dass die Schauspieler dem Publikum erneut verpflichtet sind und dass das Publikum heute besonders geneigt scheint. Er weist darauf hin, dass ein Scheitern allein den Schauspielern zuzuschreiben ist und nicht dem Dichter oder seinem Werk. Er bittet um Nachsicht, falls die Leistung der Schauspieler nicht bis zum Äußersten geht, und erkennt an, dass der Dichter, als bewährter Meister deutschen Sangs, Lob verdient.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Manches hab′ ich kommen sehn und schwinden
- Appell
- Die oft erprobte Milde wir erbitten
- Hyperbel
- Da er am längsten Eurer Huld sich freut
- Kontrast
- Und was mißlang, mißlang nur uns allein! Der Dichter nicht, und nicht sein edles Werk
- Metapher
- Der Mimen Kunst so Herz als Kraft geweiht
- Personifikation
- Die Güte, die Ihr freundlich manches Jahr